die Lücken ihres Lebens auszufüllen um das lachende Reich der unbestimmten und schwankenden Hoffnungen vor ihr aufzuschließen und um ihr eine Dankbarkeit einzuflößen von deren Gefahren ich keine Ahnung hatte.— Fünftes Kapitel Das Geheimniss von Thornfeld-Hall Ich will nicht länger bei allen den Gedanken verweilen welche an diesem Abende auf mich einstürmten Sie waren viel weniger klar und bestimmt als ich sie Ihnen hier wiedergebe überdies würde Ihnen der hohe Reiz der ersten Jugendträume fehlen Ich verschone Sie also damit um schneller zu einem merkwürdigen Vorfalle zu gelangen Ehe ich mich so in die Gefilde der Illusionen und Chimären emporschwang hatte ich mein Licht ausgelöscht und ich weiß selbst nicht recht ob ich noch völlig munter war als ich über meinem Kopfe ein dumpfes schauerliches Gemurmel zu hören glaubte Ich würde in diesem Augenblick viel darum gegeben haben wenn ich noch Licht gehabt hätte Die Nacht war ausnehmend dunkel und ich fühlte mich keineswegs in einer muthvollen Stimmung Während ich auf meinem Bett sitzend aufmerksam horchte erwachten tausenderlei ängstigende Gedanken in mir Indeß verstummte das Geräusch Ich versuchte wieder einzuschlafen aber mein Herz schlug mit einer unglaublichen Heftigkeit und es war mir unmöglich meine Aufregung zu beschwichtigen Die zweite Morgenstunde schlug an der nahen Schloßuhr In dem nämlichen Augenblicke war es mir als ob eine Hand an der Thür meines Zimmers hinstreifte als wenn Jemand durch den Corridor hinschlich Ich fragte Wer ist da Niemand antwortete Es ergriff mich eine fürchterliche Angst Bei näherer Ueberlegung erinnerte ich mich jedoch daß Pilot sich zuweilen wenn zufällig die Küchenthür offen gelassen wurde nach dem Zimmer seines Herrn schlich und sich vor der Thür desselben niederlegte wo ich ihn schon oft des Morgens gefunden hatte Dieser Gedanke beruhigte mich sogleich und ich legte mich wieder nieder Es herrschte das tiefste Schweigen und nichts beruhigt die aufgeregten Nerven besser als Stille Nach und nach kehrte der Schlummer zurück allein es war beschlossen daß ich diese Nacht nicht schlafen sollte Kaum begann ein noch verworrener Traum sich auf mein Lager herabzusenken so wurde er plötzlich durch ein gräßliches Geräusch verscheucht Es war ein dämonisches leises verhaltenes dumpfes Lachen das aus dem Schlüsselloche zu kommen schien Da das Kopfende des Bettes der Thüre sehr nahe war so glaubte ich einen Augenblick dieses entsetzliche Lachen dicht an meinen Ohren zu vernehmen als rührte es von Jemandem her welcher sich über mich beugte Die Furcht von der ich ergriffen wurde läßt sich nicht beschreiben Ich fuhr empor und blickte mich entsetzt um aber ich sah nichts Nach einigen Secunden ließ sich das nämliche Gelächter von Neuem hören und zwar diesmal ganz deutlich hinter der Thür Meine erste Bewegung war aufzuspringen und den Riegel vorzuschieben dann fragte ich noch einmal „Wer ist da “ Ein halbunterdrücktes Stöhnen antwortete auf meine Frage Wenige Augenblicke nachher vernahm ich Schritte welche den Corridor entlang nach der Treppe zugingen auf der man in das dritte Stockwerk gelangte Ganz vor Kurzem war eine Thür am Fuße dieser Treppe angebracht worden ich hörte sie öffnen