kam um meinen Beistand an zusprechen Da außer mir kein Mensch in der Nähe war so schien es mir eine Unmöglichkeit daß ich dem Fremden nicht einige Theilnahme bezeigen sollte Ich ging daher auf ihn zu während er sich mit großer Anstrengung von den Steigbügeln und von der Last seines Pferdes zu befreien suchte Wenn man seine kraftvollen Bewegungen sah so konnte man schwer glauben daß er gefährlich verwundet sei Ich fragte ihn indeß ob er sich weh gethan habe Ich hörte seine Antwort nicht deutlich und vermuthete fast daß er anstatt auf meine Frage zu antworten einen halblauten Fluch ausstieß „Kann ich Ihnen vielleicht mit etwas dienen “ fragte ich ihn weiter „Sie können mir aus dem Wege gehen “ erwiderte er indem er sich zuerst auf die Kniee erhob und dann ganz aufstand Ich trat schweigend zurück und nun begann ein Arbeiten mit Füßen Händen und Hufen vermischt mit Bellen und Fluchen das mich natürlich noch etwas weiter entfernte Ich wollte indeß sehen wie die Sache enden würde und der Kampf fiel endlich zu Gunsten des Reiters aus Er brachte das Pferd wieder auf die Beine und gebot seinem Hunde mit einem sehr kräftigen „Ruhe Pilot “ Stillschweigen Dann bückte er sich und befühlte seine Beine und seine Füße als wollte er sich überzeugen ob sie unversehrt geblieben wären Wahrscheinlich aber entdeckte er eine mehr oder minder erhebliche Verletzung denn anstatt sein Pferd zu besteigen setzte er sich an die Barrière die ich vor einigen Augenblicken verlassen hatte Ich mußte in einer ganz besonders dienstfertigen Stimmung sein denn ich näherte mich ihm von Neuem „Wenn Sie verwundet sind mein Herr und irgend einer Hülfe bedürfen sagte ich zu ihm so könnte ich sie Ihnen von Hay aus oder von Thornfield-Hall zusenden.“ „Ich danke Ihnen Miß ich werde mich schon selbst aus der Verlegenheit ziehen denn ich habe nichts gebrochen sondern mir nur den Fuß verrenkt.“ Er versuchte aufzutreten aber der Schmerz preßte ihm einen leisen Schrei aus Der Abendhimmel war noch von der untergegangenen Sonne geröthet und am östlichen Horizonte glänzte der Mond Diese doppelte Erleuchtung erlaubte mir den Fremden deutlich zu erkennen Ein mit Pelz besetzter und von einer stählernen Agraffe zusammengehaltener Reisemantel umhüllte und verbarg seine Gestalt so daß ich nur soviel unterscheiden konnte daß er von mittelgroßer aber kräftiger Statur war Seine Gesichtsfarbe war gebräunt seine Stirn breit und der Ausdruck seiner Physiognomie ernst und streng Besonders in diesem Augenblicke verliehen ihm die zusammengezogenen Brauen und die noch zornfunkelnden Augen ein wenig einnehmendes Aeußere Uebrigens war er nicht gerade mehr jung obgleich er noch nicht das eigentliche reife Alter erreicht hatte man konnte ihn auf fünfunddreißig Jahre schätzen Er flößte mir durchaus keine Furcht ein höchstens fühlte ich mich ihm gegenüber etwas verlegen Es war mir noch nie in den Sinn gekommen bei einem schönen jungen Manne von mehr oder weniger romanhaftem Aeußeren stehen zu bleiben um ihn so ungenirt anzureden noch viel weniger aber ihm einen Dienst anzubieten den zu verlangen der durchaus nicht