feiner durchdringender Regen Unter dem dunkeln Taube auf das er mit einem ununterbrochenen Rauschen herabträufelte suchte ich einige Zeit vergebens den Eingang zu dieser unsichtbaren Wohnung Endlich gelangte ich an ein eisernes Gittertor das in eine schmale Allee führte die aus einer Doppelreihe von Bäumen bestand welche nur einige Fuß von einander gepflanzt waren ihre untersten Zweige hingen so tief herab daß sie sich mit dem ungepflegten Rasen vermischten In dieser dunkeln Allee ging ich immer weiter ohne das Haus zu erreichen daß ich bei jeder Krümmung zu erblicken hoffte Ich glaubte schon ich hätte mich geirrt und war im Begriff umzukehren als sich die Bäume lichteten und ich zuerst ein zweites Gittertor dann das Haus selbst erblickte daß man kaum von den Bäumen unterscheiden konnte da seine dunkeln und mit ungesunder Vegetation bedeckten Mauern fast ganz die nämliche Farbe hatten wie die bemooßten Stämme und das feuchte Laub Als ich durch das Haupttor eingetreten war daß sich nur vermittelst einer Klinke schloß befand ich mich in einem halbrunden Garten ohne Blumen und Beete wo ein mit Sand bestreuter Gang sich um einen regelmäßigen Rasenplatz zog Die Vorderseite des Hauses bot dem Auge zwei spitzige Giebel und einige schmale vergitterte Fenster mit in Blei gefassten Scheiben Die ebenfalls schmale Tür schien dazu bestimmt zu sein sich nie zu öffnen eine einzige Stufe führte nach der Schwelle Im ganzen genommen hatte der Wirt Recht es war ein „trauriger Aufenthalt.“ Der Rahmen des dunkeln Waldes der das aus auf allen Seiten umgab vervollständigte den Eindruck des Bildes „Ist es möglich daß dieses Grab von lebenden Wesen bewohnt wird “ fragte ich mich staunend als das Leben sich wirklich durch ein leises Geräusch kund gab es war die Eingangstür welche in ihren Angeln knarrte Sie öffnete sich langsam und eine Gestalt zeigte sich im Dämmerlicht auf der Schwelle Ich erkannte einen Mann in bloßem Kopfe Er streckte eine Hand aus als wollte er untersuchen ob es noch regnete Obgleich der Tag sich zu Ende neigte und obgleich eine Art Wolke meine Augen verschleierte so erkannte ich doch bald diesen Mann es war mein ehemaliger Gebieter Mr Edward Rochester Meine erste Bewegung war mich seinem Anblicke zu entziehen aber ach ich wußte ja daß er mich nicht sehen konnte Ich blieb daher mit zurückgehaltenem Odem auf der nämlichen Stelle und beobachtete die Veränderungen welche sein Aeußeres erlitten hatte Es war immer noch der kräftige Körper wie früher das Unglück hatte die imponierende Gestalt nicht gebeugt und das volle Haar hatte noch immer den früheren rabenschwarzen Glanz Der Zeitraum eines Jahres war es auch ein Jahr des Kummers und Schmerzes hatte nicht vermocht diese scharfmarkierten Züge zu verändern diese athletische blühende Manneskraft zu schwächen Die bedeutendste Veränderung war in dem Ausdrucke der Physiognomie vorgegangen die einen verzweiflungsvollen Schmerz verriet und an die der wilden Tiere erinnerte welche man an Ketten gelegt und unschädlich gemacht hat deren düstere Traurigkeit aber gegen jeden der sie zu stören wagt in Wut auszubrechen droht Ja der Adler im Käfig