 würde manchem zarten Jüngling die Lust verschlagen, sähe er
die Folgen liebenswürdigen Leichtsinns so leibhaftig vor sich.
THAIS. Mir träumte, der Wald entreisse sich seiner Wurzeln und käme gewandert wie
ein Mensch: zu mir -.
                             Es klopft an der Tür.
THAIS schrickt zusammen. Wer ist's?
TEUFEL. Die Störung kommt mir nicht gelegen.
EINE STIMME. Gut Freund, schöne Tais, öffnet getrost.
Tais öffnet: herein tritt Paphnutius, die Kapuze seines Pilgermantels über den
                  Kopf geschlagen, so dass er unkenntlich ist.
THAIS. Wer seid Ihr? Ich atme eine reine, klare Luft, seit Ihr im Zimmer weilt.
Duft von Tannen ist um Euch. Wie wird mir?
TEUFEL. Ich kann den Gestank nicht ertragen. Der Kerl deucht mich bekannt. Tritt
herzu, fährt zurück. Es ist der verfluchte Christ ...
PAPHNUTIUS macht das Zeichen des Kreuzes.
TEUFEL schief und gebückt durch die Tür ab. Hüte dich, Tais: vor ihm - wenn du
mir getreu bleibst ... vor mir, wenn du ihm verfällst.
PAPHNUTIUS. Wer war der Mann, der dich soeben verließ, schöne Tais?
THAIS. Ein Jüngling aus Alexandria und mein Freund. - Ihr seid hierzulande
fremd, wie es scheint?
PAPHNUTIUS. Ich komme weit von hier, durch die Wüste, von den Wäldern Tebens.
THAIS. Mein Traum!
PAPHNUTIUS. O Tais, o Tais, welch weiten Weges Mühsal hab ich durchwandert, um
zu dir zu gelangen.
THAIS. Ihr hattet Sehnsucht - und nach mir - und kanntet zuvor mich doch gar
nicht.
PAPHNUTIUS. Alle Straßen der Welt sind voll vom Ruhm deiner Schönheit.
THAIS. Da Ihr solches Verlangen nach mir bezeigt, so will ich mein Antlitz nicht
länger vor euch verhüllen und mich entschleiern. Tut es.
PAPHNUTIUS. Tais, Tais -
THAIS. So schlagt auch Ihr den Mantel vom Haupt, damit ich erkenne, mit wem ich
spreche. Ob es ein Jüngling, oder ein Greis sei, der meine Liebe begehrt.
PAPHNUTIUS fasst sich an sein Herz.
THAIS. Was ist mit Euch? Ihr zittert?
PAPHNUTIUS. Ich schaudre, weil ich deines Schicksals denke, und ich beweine dein
Verderben.
THAIS. Welche Stimme ... Die Tränen des Fremdlings rühren mein tiefstes Herz ...
Ihr kennt mein Schicksal nicht. Was weint Ihr, Fremdling, über eine Fremde? Ich
bin Euch fremd. Ihr seid mir fremd. Vor einer Stunde kanntet Ihr mich noch nicht
und wußt ich nichts von Euch.
PAPHNUTIUS. Immer bin ich bei dir gewesen, Tais, mit der Kraft meines Gebetes.
Du hast mich - ich habe dich nie verlassen.
THAIS. Ich
