 Glas! Da muss man zagen!
So glatt und steil - kein Fuß, der da sich hält.
Ob Mann und Ross das Abenteuer wagen,
Sie gleiten ab - da liegen sie zerschellt.
Glücksritter einst, nun bleichende Gerippe;
Der Schädel grinst, ins Leere krallt die Faust;
Gen Himmel trotzt die unerreichte Klippe -
Und horch, mein Engel singt, so droben haust:
»Ich bin's, die dich gelockt - bin die Walküre
Von Glastelfingen, Michels Töchterlein.
Der will nicht, dass mich Ungestüm entführe;
Wer rauben will, der mag des Todes sein.
Sei du, wie jene nicht, die hergezogen,
Als gält's, vom Himmel reißen einen Stern!
Ei Märlesjörg! Sinnierend komm' geflogen!
Wer lieben kann, hat nie das Liebchen fern.
Schon selig bist du, weil ich dir gefalle.
So hast du mich - und mein und dein sind gleich.
Dies Engelheim, die blaue Aeterhalle,
Ist deiner Sehnsucht heimlich Innenreich.
Und alle Sehnsucht soll Erfüllung werden.
Was einer liebt, das wird er selber sein!
Der Erdengier gebührt das Reich der Erden -
An Erde klammert sich das Totenbein.
Zwar wirst auch du, am Glasberg hingesunken,
Den Stürmern gleich, wie Fackelbrand verglühn -
Doch aus der Asche soll dein Heimwehfunken
Beseligt still zur Sternenheimat sprühn.«
 
    
