 Zwienatur« ist jedes Menschenkind, und nur die »ewige Liebe«
vermag das höhere Element vom niederen zu scheiden, das Gold von der Schlacke.
Die ewige Liebe - teure Marianka - die soll uns beisammen halten, und wir
vergeben einander die Schwächen, die in unserer körperlichen Ichnatur begründet
sind. Bitte, lass mich einsam! Ich reise ins Neckarländle, zum Onkel Guhl, der
ein berufener Führer ins Ewige ist. Da möcht ich an meiner Läuterung schaffen,
solang ich Odem hab. Übers Grab hinaus bleib ich der Deine - wie ich Rosel
zugehörig bin - und Marga. Glastelfingen ist das Engelheim, wo man nicht freit
im irdischen Sinne, wo Eifersucht keinen Sinn hat, weil Mein und Dein im Ewigen
verschmelzen.«
    Die paar Monate, die Hainlin noch am Leben blieb, bilden die lieblichste
Zeit seines Erdenwallens. Er hauste beim Onkel Guhl in Eberhards Einsiedelei.
Umhegt fühlte er sich von der Ewigkeit, deren Donnerwort ihm hier erklungen war,
und in ihrem Leuchten verklärte sich sein Schicksal. Neben Onkel Guhl weilten an
seinem Lager Rosel an Berta; für etliche Zeit auch Marianka und Marga, die aus
Sehnsucht gekommen waren.
    »Da hab ich nun« - lächelte Hainlin - »mein Himmelreich im Herzen - ich
sterbe umgeben von dem, was ich liebe.«
    Friedevoll entschleierte sich ihm das große Rätsel - sein Sterben war, als
ob Vollmond aus Wolken quillt.
Der Garten schwarz - Gestalten seh ich kauern,
In Flor gemummt.
Sind's Büsche? Blätter wagen kaum zu schauern,
Alsbald verstummt.
So fremd, so steinern alles, wie besprochen
Von Hexerei.
Die Seelen sind wie Vögel, scheu verkrochen
Beim Eulenschrei.
Und bist du steinern, Welt, lass dich beschwören:
Sei Seele, Welt!
Geheime Sucht, einander zu gehören,
Hat uns gesellt.
Wir suchen uns, wir liegen auf der Lauer
In Dunkelheit:
O Bann der Fremdheit, löse dich im Schauer
Der Zärtlichkeit!
Komm, Zärtlichkeit! Ich bin allein. Ein Zecher
Bei Ampelschein ...
Wie Rebenblüte duftet mir im Becher
Der Edelwein.
Den Trost der Öde soll ich nicht vermissen:
Aufglüht der Mond -
Ein Fürst in Purpur, der auf Wolkenkissen
Beschaulich tront.
Nun hoch den Kelch! Dir, Vollmond, gilt mein Trinken!
Da lächelt hold
Durch Glas und Rebenflut sein Augenwinken
Wie Bernsteingold.
Ein Kelch, ein blanker, süßen Rausches Quelle
Bist, Mond, auch du.
Dein Licht durchrieselt mich - o kühle Welle
Der Seelenruh!
Erlöser Mond, wenn über Flur und Bäume
Dein Silber haucht,
Wenn Allgefühl die sanften Schwärmerträume
In alles taucht!
Traumkönig Mond! Es huldigt deinem Glanze
Die Wolkenfee;
Aus ihrem feierlichen Schleiertanze
Bljetzt keuscher Schnee.
Zum
