, ist mir durchs Herz das Lied erklungen ... Gelt, Jörgle? Dir ist
die Volksweise bekannt: Wenn ich an den letzten Abend gedenk, als ich Abschied
von ihr nahm - denn die Sonne scheint nicht mehr, ich muss scheiden von ihr -
doch mein Herz bleibt stets bei dir ... Seltsam hänt mich diese Worte ergriffen,
besonders die letzten: Mein Herz bleibt stets bei dir ... Welch ein Wunder, han
i denkt: hier liegt dr Körper, elend, ein verröchelndes Tier - die Seele aber
fliegt in weite Ferne, zu ihr, die ich liebe ...
    Wie mir selbiks Lied innerlich gehallt hat, ist es mir zum Wiegenlied worde.
Und hat mich in Schlummer gelullt. Tief muss ich geschlafen haben, denn wie ich
aufwachte, fühlt ich mich erquickt. Sonniger Tag war's, und grad wie heut
lächelte durch mein Fenster das Gebirg herein. In dieser neuen Form rührte mich
das Wunder von gestern. Denn ich sagte mir: Fern ist die Alb, aber du hast sie.
Und warum? Weil du sie lieb hast. Innen hegst du alles Liebe - und keine
Trennung, nicht Raum, nicht Zeit, kann dir rauben, was du liebst - ewiges Leben
hat die Liebe - einen Reichtum, so kostbar wie net emal Gold ... Und wie ich so
dachte, summte mir als süßer Trost der Schluss des Liedes durch den Sinn: Ich
gedenke noch einmal recht reich zu werden - aber nicht an Gut und Geld. Wolle
Gott mir schenken das ewige Leben - ei so bin ich reicher als die Welt.«
    Hier pausierte Herr Guhl in seiner Erzählung. Unter stillem Lächeln hielt er
seinen Kelch empor, drin ein Glimmen war, geheimnisvoll, als solle ein Abendmahl
genommen werden. Unvergesslich ist mir auch der glühende Blick, mit dem Rosel ihn
anstarrte - als wolle ihre Seele in sein Heiligtum stürmen. Dann winkte Guhl der
Alb zu und schlürfte langsam.
    »Ja, reicher als die Welt!« sprach er tief atmend - »der ist es, der sich
einlebt in die ewige Heimat. Was dort blüht, im Heilgemüt aller Schöpfung,
gehört jedem, der 's lieb hat. Und da gibt's keinen Hader um Mein und Dein. Ein
einzik Haben ischt wert, dass wir uns was draus mache: 's Liebhaben -
vorausgesetzt, dass man's ohne Habsucht meint. Nun mach du die Torheit der Welt
nimmer mit - tu die Augen auf! Fang recht zu leben ahn! Vom Siechbett deiner
Seele steh auf und wandle! - Die ferne Alb, die so zu mir gesprochen hat, ist
mir vorkommen wie des Herrgotts Vergissmeinnicht-Aug
