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    Wo magst du sein? Schläfst du noch? Nachmittags soll ich dich beim
Rückmarsch sehen - wo denn noch?
    Aber die Gedanken verwirren sich, werden wirr, verfliegen und Bilder
beginnen zu gaukeln. Zerwühlte Kissen und weiße Hüften -. Doch auch die Bilder
verwirren sich, werden wirr, verfliegen. Aus den flüchtenden klingt ein Schrei
so hell, er echot, hallt matt und matter, schwillt leise aus ferner ferner Ferne
an und klingt und stirbt. Und jetzt umflutet ihn das Gefühl, bildlos wortlos - o
du süße tief gesättigte Ruh! Ein Duft umflattert ihn noch, ein nicht
bestimmbarer, süßer, zuwidrer -. Die langen Reihen der Helmspitzen pendeln
taktmässig hin und her, auf und nieder wogen die Tornister und gelbbraunen Zelte
- Helmspitzen, Zelte - o du goldbraune purpurne Nacht!
    Da hält die Kompagnie, er prallt auf den Tornister seines Vordermannes, sein
Helm kollert zur Erde und er erwacht.
    Die Marschpause ist hin, der Marsch geht fort - ja wo geht er denn hin? Wie
ein blauschwarzes seidenes Riesentuch liegt zu meiner Rechten die See und trägt
braune und silberne Segel, und die Möwenschwärme sind wie weiße auf und nieder
tanzende Staubpunkte auf ihm.
    Da liegst du unsterblich und selbstgewiss in dir wie ein Gott und bist doch
wie ein ruhloses Raubtier über die Erde gebraust. Kein Ort, und wäre es der
Mount Everest selbst, auf dessen Schnee die Ewigkeit zu wohnen scheint, wo du
nicht einmal in deiner blauen Herrlichkeit träumtest und glaubtest zur Ruhe
gekommen zu sein. Aber eine Stunde einer größeren Weltenuhr schlug und wie ein
nicht zu sättigender Feind rolltest du fort und warfst dich gierig über ein
anderes Land. Wie nah fühl ich mich dir! Ich wanderte und wanderte und ruhte
hier und dort und träumte für Sekunden einen blauen Ewigkeitstraum, dann riss es
mich weiter ruhelos wie der Hunger das Tier. Aber das waren klingende
berauschende Worte, in denen ich meine kurze Rast und Ruhe fand, das waren
stolze und in die Ewigkeit langende Formeln - und nun vergaß ich mich und in
einem Dirnchen verlor ich mich. Ein offener Busen und ein lüsternes Lächeln, das
ist nun für mich die Rast und das seidenweiche Faulbett, auf dem ich die Welt
vergesse. Ich weiß und lernte es immer gewisser mit der Zeit, dass kein dauernder
Rastort für mich gebaut ist, aber ich will mich nicht schlafen legen in einem
Proletariertrieb, in einer Herdenlust - ich trenne mich von ihr! -
    In Schützenlinien lagen wir und beschossen Kopfscheiben, die sich undeutlich
vom Boden abhoben, hinter ihnen gleisste weißer Dünensand und wogte das Meer.
Tief sog ich die salzige Meeresluft ein und schoss niemals so gut wie damals in
Elsenhorst.
    Sandwolken und Spritzer fuhren zwischen den Zielen
