 als wüsste es, wie es
um unsere Herzen bestellt ist. Die Wellen kommen heran, blauäugig und sanft,
streicheln mit weicher Hand unser Boot, murmeln, glucksen und plaudern etwas -
das klingt wie: sie haben sich lieb, sie haben sich lieb - glucksen und lächeln
und gehen. Die Möwen, wenn sie in unsere Nähe kommen, vergessen ihr misstönendes
Lachen, die Menschen, wenn sie an uns vorüber fahren, sprechen leiser und sehen
uns mit stillen Augen nach, während die fernen Ufer mit braunen Schilfsäumen und
grünen Saaten und schwarzblauen Wäldern in gewaltigen Kreisbogen gelassen an uns
vorübergleiten; über allem aber hängt der Himmel unergründlich blau und die
Ferne glänzt.
    Wir sprechen kein Wort, wir sehen uns an und lächeln und können nicht reden.
Sie sitzt mir gegenüber und lässt die Wellen durch ihre Hand gleiten; ihr Haupt
ist leicht geneigt und sinnend und lächelnd sieht sie den enteilenden nach.
Meine Blicke aber haften traurig und fragend auf diesem leichterzigen Menschen,
der - ins Leben gestoßen, er weiß nicht weshalb? wozu? - plötzlich sich bewusst
geworden ist, dass er eine Seele besitzt, der allen Schmutz, alle
Oberflächlichkeit und alles Elend, womit sie bis heute verdeckt war, vergessen
hat und staunt und staunt: ich bin ein Mensch und bin geliebt!
    Aber wie lange werde ich deine Seele behalten? Wann ziehst du sie wieder in
dich zurück und begräbst sie mit Alltagsschmutz und Leid?
    Wird nicht in der Giftluft deiner Freundinnen der Neid an deinem Glück
nagen? Denn sie wollen dich wieder zu sich ziehen und wissen dein Glück dir so
zu zerfressen und zu zerspötteln, dass du selbst nicht mehr daran glaubst und aus
Leid und Scham und Trotz dich lachend wieder fortwirfst. Ich nehm's ihnen nicht
übel, deinen Freundinnen, es ist ihr Selbstbehauptungstrieb. Aber wirst du stark
genug sein? Ich fürchte, ich fürchte - -
    Du siehst mich so traurig an?
    Ich dachte an die Zeit, in der du längst wieder einem Anderen gehörst, in
der du längst diese Fahrt vergessen hast, wo du dich kaum meines Namens mehr
erinnerst.
    Sie sieht mich groß an und eine Träne rollt über ihre Wange.
    Ich sah dich, wie du ratlos dastandest, irgendwo in der Welt. Die, die nach
mir in dein Herz sich stahlen, haben dir lachend den Rücken gekehrt. Nun
breitest du in Reue und Sehnsucht die Arme aus - aber ich bin fern, ich bin
vielleicht schon lange tot.
    O quäl mich nicht so.
    Und wenn du nun so einsam daständest mit deiner Sehnsucht und Reue, würde
ich wohl kommen, wenn ich dein Rufen hörte?
    Da verwandelt sich blitzschnell ihr Gesicht und sie sieht mich mit
unschuldigem Lächeln an:
    Du
