, und die melancholischen Unkenstimmchen läuteten noch
seiner und trauriger - -
    Es ist der Kosakenkolk, - sagte Erich - und die Ufer des Tobol und die
tobenden Burane, die einst in dem runden Schädel lebten, spuken jetzt im
niederdeutschen Bruch. Auch eine Metempsychose: einmal in einem verfilzten
lausigen Menschenkopf, dann in der spitzen Flamme H2S + PH3 - - Sie nähert sich
- sie kommt - sie wächst - spricht da etwas? -
    Er riss die Augen krampfhaft auf, dann machte er kehrt und ging und raste in
wilden Sätzen nach Haus.
O wie schön ist es, an übergrosser Liebe sterben zu müssen - sagte Loo zu ihrer
Seele und blickte mit dem Ausdruck tiefen Glücks in die herbststille Welt - mit
einem Lächeln süßer Müdigkeit nach hartem Kampf:
    Meine Liebe ist nichts - ist nichts anderes als was die Tagelöhner und Hunde
treibt. -
    Als so ihr alter Bekannter, der magenfarbige Ekel vor der entwerteten Welt,
kam und der Wunsch, ihn zu fliehen, und der Tod mit doppeldeutigem Gesicht
lockte und greifbarer und näher wurde, stand er bald als unvermeidlich, als
nicht mehr ferne Wirklichkeit vor ihr. Und es galt nun, für ihn Ursachen zu
suchen, d.h. das Gerne-Wollen, aber Feige-Sein zu verkleiden in ein
übermächtiges Müssen, und dem dann das Harte und Unfreie zu nehmen durch eine
moralische oder ästhetische Würdigung: wie gut, wie schön ist es, so leiden zu
müssen, so zu leiden. Und die windigsten Ursachen genügen, es genügt eine
Phrase, ein kitschiges abgedroschenes Bild:
    Wird mir die Brust nicht zu eng und droht mir das Herz nicht stille zu
stehen, erfüllt es mich nicht mit unaussprechlichem Glück und kalter Todesangst,
wenn er mir seine Liebe gesteht? Wenn er mich mit in seinen Taumel reißt, kommt
dann nicht diese Liebe über mich wie ein glühender Wirbelwind, mein ganzes
schwaches Leben verbrennend und verzehrend? Bin ich nicht, wenn ich ihn in
meinen Armen habe, eine lohende Flamme? Kann sie ewig brennen? - Muss ich nicht
darum an übergewaltiger Liebe sterben?
    
    Und dann werden diese »Ursachen« vergessen - man traut ihnen nicht recht -
und man ergötzt sich an der Schönheit und Erhabenheit ihres Wertes: O wie schön
ist es, an übergrosser Liebe zu sterben! -
    Dann greift man zu Dichtern, diese Hausapoteke weiß immer Bescheid. Und der
Zufall wollte, dass ihr Shellei in die Hände fiel:
»Welch Wunder ist der Tod,
Tod und sein Bruder Schlaf -«
    Eine Seele, die auf Wunsch der Feenkönigin den schlafenden Körper verlässt,
frei im Raume schwebt und Vergangenheit und Zukunft schaut -!
    Sie träumte in die Weite, wohlig, unbewusst -
    Ein Traumorgan - die
