 kleinen Brüste
gepresst, zum Bach, während sie ihre Zähne in seine Wange schlug, dass ihr das
Blut in zwei kleinen Tropfen von den Lippen floss.
    Dann ließ sie die Sonne auf ihren nackten glänzenden Leibern spielen und
sahen zu, wie ihr Licht auf den Wellen glänzte, die sich im Schilf verloren,
schmal, gleissend wie ein Schwert. Und als sie die Wipfel der Erlen berührte,
kleideten sie sich an und verabredeten die Stunde für den nächsten Tag.
Erich erschienen die Traumbilder zuweilen in der Hülle von Rhythmus und Reim. In
Metren und klingenden Endreimen sprachen und sangen die handelnden Figuren, und
ihres Äußeren und zumal der Landschaft, in der sie sich bewegten, ward er sich
bewusst, als wenn ein Anderer oder sie selbst ihre Reize in einem Gedicht
vortrügen; seine Phantasie zeigte sie ihm nicht, wie sie ihm am hellen Tage
entgegen getreten wären, sondern in der abziehenden und verallgemeinernden Form
der gebundenen Rede. Irgend ein klingender Vers zauberte ihm ein
wogenschlagendes Meer, einen mondbeschienenen Schneeberg vor, blieb aber
zugleich mit dem vorgestellten Bild im Bewusstsein. Am Morgen war dann nur noch
eine wohltuende Erinnerung an tönende Verse und ein verblassendes Bild, aber
vergeblich bemühte er sich, der Pracht und Gewalt dieser nächtlichen Verse
wieder habhaft zu werden.
    Traum, gib mir Rhytmen und tönende Reime, auf dass noch einmal ihre
Nacktheit vor mir tanzt! -
    Aber weder Schlaf noch Traum wollte ihm nahen. Da streckte er sich behaglich
aus und blickte von seinem Bett aus in den schwindenden Sommerabend. Mit der
sinkenden Sonne war er heimgekehrt, und jetzt lag er da, faul und liebesmüde. Er
sah den Himmel in grünlichen Farben leuchten, eine Schar purpurroter
Schäfchenwolken dahin schwimmen, hörte die Leute auf den Straßen plaudern und
lachen - ein Wagen fuhr ab und zu, Turmschwalben kreisten schreiend über den
Dächern, und ein Windhauch trug Lindendüfte ins Zimmer.
    Wie schwer es hält, mich gegen dieses Alles, das mich so träumerisch süß in
sich bettet, abzuschließen und es sachlich zu betrachten. Es durchdringt mich,
ich nehme es in mich auf und bin selbst der grüne Himmel, in dem wie
sonnenbeschienene Porphyrinseln die Abendwolken schwimmen, das friedliche
Plaudern, das da um die Leute schwebt, und ruhevoller Sommerabend.
    Diese ruhevolle und, wenn ich sie lange anschaue, herzbeklemmende Schönheit
und Harmonie, sind es Begriffe, die wir aus unserem Geist in den Himmel da
draußen verpflanzt haben, oder haben wir nicht vielmehr die Dinge da in
Jahrtausenden auf uns wirken lassen, haben sie nicht so die Begriffe Schönheit
und Harmonie in uns und mit uns gebildet?
    Was bewundern wir nun? Bewundern wir nicht die unbeschreibliche
Empfänglichkeit und Kraft unseres Geistes, der aus dem, an sich ihm
gleichgültigen,
