 ein strenges Schicksal die Herzen zu heiliger Minne
lenkte, wollte ich für uns beide eine neue Form geheimer Zwiesprach einführen.
Randbemerkungen, von meiner Hand geschrieben, begleiteten den Druck. Der Mönch
Abaelardus hatte nicht immer meinen Beifall; eisig hauchte sein Gottesfriede.
Doch ich dankte ihm ein Wort, das er in warmer Jugend gesprochen: »Habe nur
Liebe, du magst alsdann tun, was du willst.« Heloisa, die liebreiche, war mein
Entzücken, und verstohlen hoffte ich, auch aus Tekla werde diese Glut
herfürbrechen, die doch der Jungfer Gräfin nicht fremd gewesen. Um sie zu
entzünden, hatte ich gewisse Stellen der heloisischen Briefe angestrichen; zum
Exempel: »Da ich nun einmal Deiner Gegenwart beraubt bin, so lass doch in Worten
der Liebe, die Dir so reichlich zu Gebote stehen, Dein süßes Bild bei mir
einkehren ... Da Du bei Gott Deine Zuflucht suchtest, bin ich Dir gefolgt; nein
vorausgeeilt ins Kloster bin ich Dir. Und doch, bei Gott, ich wäre auf Dein Wort
ohne Zögern Dir in die Hölle vorangeeilt oder gefolgt. Mein Herz war ja nicht
mehr mein, ich hatte es an Dich verloren. Und so es itzo auch bei Dir keine
Statt mehr findet, alsdann hat es überhaupt keine Heimat mehr; ohne Dich mag es
ja nirgendwo sein. Ach lass es denn bei Dir geborgen sein, ich bitte.« Auch ein
Schreiben meiner Hand war dem Buche beigefügt, und es hieß darin: »Hier ist das
Lied, das meine Sternenbraut sich ausgebeten hat. In Dein Herze bin ich
eingegangen und habe von denen gesprochen, die ich darin vorgefunden. Gelingt es
meiner Weise, Dich in Schlummer zu singen, lass uns alsdann beide denken, dass ich
auf meinen Armen Dich schaukle, Du mein Wiegenkindlein:
Wenn mit Dunkel und mit Schweigen
Mutter Nacht dein Bett umhüllt,
Lausche, wie mein Zaubergeigen
Heimlich deine Kammer füllt.
Lausche, wie dich Wunderglocken
Fromm zu deiner Tiefe locken.
In der Tiefe wohnt die Ruh -
Und die Tiefe, das bist du.
Frieden ihm, so dir zur Seiten
Atmend ruht; er ist dein Schild.
Frieden allen Erdenbreiten,
Jedem Gottes-Ebenbild!
Gib den Hütten dein Erbarmen
Und dem Glück ein froh Umarmen.
Ohne Güte keine Ruh;
Jedes Antlitz, das bist du.
Engel, heitre Lichtgestalten
Steigen aus dem dunkeln Land
Und in deine Hände falten
Kosend sie die Kinderhand.
Sieh doch, deine toten Lieben
Sind dir alle treu geblieben;
Mutterherz heißt ihre Ruh.
Deine Kinder, das bist du.
Spürst du auch, wie auf dein Grüssen
Harrt ein treuer Paladin?
Aus der Ferne dir zu Füßen
Kann ihn deine Sehnsucht ziehen.
Gib dein Auge seinem Auge
