 du hörest sein
Sausen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt und wohin er führt. Also
ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist.« Ich ahnte, dass ich von neuem
geboren, aus dem Geiste geboren werden solle für das wahrhaftige neue Reich, so
da ist ein Reich des Lichtes, der Unschuld und Liebe in Ewigkeit.
 
                              Das eilfte Abenteuer
                    »Wessen wird sie im Himmelreiche sein?«
 Als ein rechter Liebhaber eremitischen Lebens hausete ich auf der verödeten
Abendburg, und es trieben die Tannen einen Sommerwuchs nach dem andern.
Herbststurm und Schneewoge, Lenzhauch und Sonnenglut bezogen stets aufs neue in
alter Reihe den Posten. Von meiner ragenden Warte sah ich die Morgendünste unter
mir brodeln und dann den Tag sein glutig Auge auftun, - beobachtete, wie Wolken
gleich Marmorburgen im Blauen schwebeten, und wie der Abend rote Rosen um sie
spann - träumte und lauschte empor, wann in der nachtenden Halle vieltausend
Himmelsbürger feierlich stunden und ganz lautlos, nur mit sanftem Lodern und
buntem Funkeln zueinander redeten. Schauend und sinnend gewann ich Andacht und
Erkenntnis und ward immer deutlicher inne, worin das wahre Gold der Abendburg
bestehe.
    Vom schnöden Golde gänzlich abgewandt, lebte ich ärmlich und mühselig. Neben
dem Oheim, so von seiner Kopfwunde einen schwachen und irren Geist
davongetragen, hatte ich nur den Hund zur Gesellschaft, Ziegen und Zicklein;
auch ein paar Bienenschwärme, in hohlen Stämmen angesiedelt. Des Oheims Acker im
Tale trug unser Brot, der Wald gab Beeren her und Pilze, Holz, Wildfleisch und
Felle. Wiederhergestellt war unser traulich Balkengehäus. Nach Tages Arbeit las
ich in Büchern, grub in den Tiefen des Geistes und war fleißig im
Niederschreiben meiner Lieder, Abenteuer und Gedanken. Vor dem Schlafen sang ich
zur Harfe, der Oheim lauschte, dazu erfreute sich das Herz an Beerenwein oder
Met. Nach Menschenumgang stund nicht unser Sinn. Seitdem ich die Schreiberhauer
enttäuscht hatte, blieben sie abseits. Ich sei ein Schwarzkünstler, rauneten
sie, der in seiner Grotte Dämonen dienstbar halte. Dem dörfischen Gottesdienste,
den ein vom Kynast verordneter Pfaffe abhielt, blieb ich fern, und nur wenn
Glockengeläut, Festschalmei oder Begräbnischoral vom Tal erscholl, ward ich
daran erinnert, dass man drunten schaffte und feierte, dass es Lachen und Weinen,
Hochzeiten, Kindtaufen und Bestattungen gab. Hinweg über Menschengetriebe
schaute ich gern in die Ferne und verlor mich in ihrem zarten Dufte. dabei
deuchte mich, dort müsse sich ein Ersehntes erfüllen. Was dies eigentlich war,
wußt ich nicht zu fassen.
    Versunken in den lockenden Himmel über mir, vernahm ich manchmal, wie er
gütig mahnete: »Bleibe bei dir, Kind! In dir selber suche, was ich verheisse!
Deinem Herzen
