 rings auf die Berghäupter niederfluteten.
    Das kostbarste Gerät meines Heims war eine Harfe. An Tekla gemahnte sie
mich, und es war mir Erquickung, mein Leiden und Sehnen in holden Klängen vom
Herzen zu strömen. Täglich übte ich das Schlagen der Saiten und sang dazu
Lieder, die ich selbst ersonnen, und es kamen Zeiten, da Verse aus mir sprossen
wie Blüten am Frühlingsbaum. Bei solch einsamem Hausen trank meine Seele den
Bergfrieden und ward immer stiller. Zuweilen freilich fiel mich Unrast an, und
es nagte der Gram am Herzen. Vom Buche, drin ich Trost suchte, sprang ich dann
auf, hing das Jagdrohr über die Schulter und bewehrte mit dem Spieße die Faust.
Durch Tannen und Knieholz streifend, schoss ich nach dem Auerhahn und der
fliehenden Hirschkuh. Wollte mir nachts der Schlaf nicht gelingen, so konnte ich
lange draußen beim Felsen sitzen und war unter finsterem Himmel auf der Suche
nach inneren Sternen.
Gewölk hat umgebracht
Den letzten Sternenfunken;
In rabenschwarze Nacht
Ist Fels und Tann versunken.
Ich bin ein Erlenstumpf,
Dran bleicher Moder glimmert,
Ein gärend fauler Sumpf,
Wo scheu das Irrlicht flimmert.
Unheimlich düstere Welt,
Du Tummelplatz für Toren!
Bin gänzlich unbestellt
In dich hineingeboren.
Sag an, was hast du für
Mit deinem bangen Kinde?
Und hast du keine Tür,
Wo ich den Ausgang finde?
Gewölk hat umgebracht
Den letzten Sternenfunken;
In rabenschwarze Nacht
Ist Fels und Tann versunken.
Mein Leben schäumend rann,
Ein Sturzbach zwischen Steinen.
Was ich dabei gewann?
Oh bitter möcht ich weinen!
Einst ward ich schmuck und neu
Als Menschlein eingekleidet.
Doch alles Fleisch ist Heu,
Und horch, die Sense schneidet.
Ach wohl, die Jugend reicht
Den süßen Taumelbecher.
Doch Rausch und Minne weicht,
Und Reue weckt den Zecher.
Um jeden Bissen Brot
Muss hart der Frohner schanzen;
Sonst hockt die hagre Not
Ihm auf dem leeren Ranzen.
Mach dich nicht gar zu breit,
Du Herr im güldnen Hause!
Ohn' End ist Ewigkeit,
Und schmal die letzte Klause.
Poch nicht auf Ehr und Zier!
Fortuna hat's geliehen.
Der Hobler wird auch dir
Ein Linnenkleid anziehen,
Zum Pfühle unteren Kopf
Zwo Handvoll Späne schieben ...
Nun denke nach, du Tropf,
Wie närrisch du's getrieben!
Gewölk hat umgebracht
Den letzten Sternenfunken;
In rabenschwarze Nacht
Ist Fels und Tann versunken.
Und wie ich ratlos bang
Ins dunkle Rätsel staune,
Horch, sanfter Wiegensang,
Ein wogend Waldgeraune:
»Nur stille, Menschenkind!
Was helfen deine Sorgen?
Die Augen schließe lind!
Derweilen wächst das Morgen.
Die Nacht hat ihren Tau,
Auf dass der Maien blühe,
Und aus dem Wolkengrau
Entspriesst die Purpurfrühe.
Soll
