 ich fühle, wie sie schaudert. Dann wird es droben
wieder ruhig, nur die tolle Orgel hören wir heulen.
    
    »Der Organist!« - flüstert mein Weib, und ich erwidere: »Der ist uns längst
vorangegangen - den trug sein Feuerwagen in die Ewigkeit - vielleicht, dass er
uns jetzo anmeldet.«
    Und aber dumpf Gepolter ob uns, die Balken der Decke ächzen und beugen sich,
Staub und Schutt sprüht hernieder und blendet die Augen.
    Doch mein Weib wischt sie mir aus mit ihrem sanften Gewande, nun schaue ich
ganz nah die holdesten Sterne, und ihre Blicke sinken süß berauschend in meine
Seele. »Lass ihn poltern droben, den groben Gesellen mit seiner knöchernen
Faust!« scherze ich.
    Sie drückt mich an sich: »Ja, lass ihn! So er jetzo eindringet, findet er
mich in meines Mannes Armen. Im Himmel sind wir - und im Himmel bleiben wir - so
oder so!«
    Was drauf weiter geschehen im schaurigsüssen Hochzeitsgemache, lebt in meinem
Gedenken verschwommen als ein Traum. Wundersam hat die Phantasei Glitzerfäden
gewoben in unseres Schicksals düster Gespinst. Ich erinnere mich, wie wir den
Deckenvorrat der Truhe auf den Boden breiteten, und wie ich scherzte: »Weiß nun
mein Lieb, wie den Waldtauben zumute, so sie ihr Nestlein bauen?« Bald deuchte
uns, wirklich wären wir Tauben und schwebeten durch blauen Himmel, einander mit
dem Fittich streifend.
    Dann wieder fühlte ich, dass wir Menschenleiber hatten, echte Kinder Adams
und Evas, und mein waren Teklas entzückende Glieder. Ich spürete den
angeschmiegten Busen mit dem pochenden Herzen, spürete den heißen Odem, so meine
Sinne trunken machte. Unersättlich stürmte unsere Zärtlichkeit, wie wenn
Gewitter mit Wolkenbruch und lohenden Blitzen auf die schwüle, dürstende Erde
niedergeht. Dann auch war's, als schaukelten wir in einem Nachen und trieben den
Strom hinunter, an dessen Ufer zwischen Zypressen morgenländische Paläste
schimmerten. Da stund ein Graubart in Purpur, die Krone auf dem Haupte.
Lachenden Auges winkte er uns zu, gleich der Sonne blitzte an seiner Hand ein
Ring, und wie Gesang war seine Stimme: »O siegreicher Mann! Hold ist deine Braut
wie ein Reh! Halte fest den Schatz, erfreue dich der Perlen!« Und entzückt sah
ich auf Tekla und flüsterte: »Wie hold bist du! Dein Auge wunderbar wie die
Nacht, dein Haar wie die Ziegenherden auf dem Berge Gilead. Deine Zähne gebadete
Lämmer, deine Lippen duftende Purpurrosen.« Sie lächelte, und wie leiser
Freudensang scherzte ihre Antwort: »Mein Freund ist mein, und ich bin sein - der
unter den Rosen weidet.« Mein Blick ruhte gleich einem Schmetterling ihr auf
Stirn und Wangen,
