 Träne fiel auf mein Angesicht -
»Valer, unaussprechlich geliebter Mann, willst Du mein sein für Zeit und
Ewigkeit, mein und nur mein, dass nie ein Lichtstrahl zwischen unsere Herzen sich
dränge, dass ich fern von Dir« - sie drückte ihr tränenheisses Gesicht in
wollüstigem Schmerz in das meine - »fern von Dir, gewiss bin, sterben kann auf
die Gewissheit, Du seist mein unberührtes Eigentum?« Ach, ich war aufgelöst, die
Seele des schönen Weibes schien wie Maisonne in die geheimsten Winkel meines
Innern, alles was gut, was edel in mir ist, tat sich auf wie die kleinen
Blümlein im Frühling, Schluchzen erstickte meine Stimme, der Drang nach
Seligkeit, die Fülle von Seligkeit, das ganze innere beste Leben solch eines
Weibes zu besitzen, wollte mir Brust und Hals zersprengen - der flammendste
Liebesschwur, unbändig wie das Kreisen der neuen Welten in meiner Seele,
unbändig, dass selbst Klara davor zusammenschrak, rang sich los aus meiner Brust
- ich halte nichts von Schwüren, aber ich glaube, wir würden beide innerlich
zusammenbrechen, wenn wir einander gegenüberständen mit treulosen Armen. Ich
meinte, wir töteten, wir erwürgten uns damals in glückseliger Gewissheit
gegenseitiger riesengrosser Liebe; es war ein Umarmen, ein Küssen und Lachen, als
ob die Engel trunken um die Herrlichkeit der Sonne herumsprängen, und es war die
Nacht unserer Liebe. Jene Nacht ist der schönste Gedanke meines Lebens, aber sie
ward auch die schönste Fessel meiner äußeren Freiheit - ich weiß es, Klara
verginge wie das grüne Blatt des spanischen Feigenbaumes, über welches der
giftige Solano hinstreicht, wenn aus Licht des Tages und vor ihr erschrockenes
Auge die Nachricht träte, »Valer liebt eine andere.«
    - Nicht der Schwur, Freund, bindet mich, aber das Schwören.
    O hättest Du sie gesehen, als sie mich von sich trieb! Einen dunkelgrünen
Überrock von leichter Seide hatte sie übergeworfen, nur das Gesicht war verklärt
wie Seligkeitstraum, das Haar schlang sich lüstern in den offenen Busen, das
weiße Unterkleid lachte schelmisch triumphierend ob seines Mitwissens; so beugte
sie sich über mich, der ich selig träumend auf dem Lager ruhte, und mit offenen
weiten Augen in den dämmernden Morgenhimmel sah. »Valer, mein, mein, mein, o und
nur mein Valer, geh - geh mein Tag, eh' der Menschen Tag kommt und uns verrät.«
    Noch heute fühle ich die keusche Träne, die da auf meine Wange fiel, weil
sie ein Tropfen aus heißem Herzen kam, ein Tautropfen ihrer Seele, den die Liebe
entzündet hatte! O wenn mein Mund jenen Scheidekuss vergessen könnte! So küsst die
Sonne die Erde, wenn sie sich im Abendrot scheiden und der rote Liebesschein den
