 mit Seele und Leib auch ohne den Schwur - aber Du erfreust, Du
erquickst meine Seele durch ihn; willst Du?«
    Ermiss, ob ich wollte, ob ich's tat. Ich wusste es fast in dem Augenblick, dass
ich falsch schwor, da ich ganz gewiss wusste, Klara werde mir entrissen - ach,
Freund, die Erinnerung steigt mir in das Herz, in die Augen, ich drücke den Kopf
in die Hand - ich kann nicht schreiben, ich will meine geschlossenen Augen in
die Sofakissen pressen und Seele und Leib dem wirbelnden Gewitter der Erinnerung
hingeben.
 
                                                                         Später.
Es ist unterdes Abend geworden; ich weiß nicht, habe ich geschlummert,
geschwelgt, geweint oder Schmerzen gelitten - ich fühle mich so hoch gehoben,
die Welt schwingt sich so tief unter mir; es ist die Stimmung einen Thron
auszuschlagen - die Phönixflamme ist uns genommen, aber die reinigende
verjüngende Träne ist uns geblieben. Draußen ist ein Gewitter drohend und
sprühend vorübergegangen, ich habe es donnern gehört, ich sehe wie frisch die
Erde ihre tausend Augen aufgeschlossen, außen und innen steigt eine Welt frisch
aus dem Bade - die Welt ist schön, denn sie wechselt, sie ist eine Geliebte, die
sich zu verjüngen weiß. Ich wohne sehr angenehm. Das Schloss lehnt sich an einen
Hügel, der zu einer Terrasse abgeplattet ist; dahin führt meine offene
Fenstertür. So hab' ich nicht das lähmende Parterre, das umsonst mit den
Schwingen nach Aussicht flattert und nicht die abgesonderte Höhe, die umsonst
Bewegung und Ausdehnung sucht. Die Terrasse stuft sich zu einem spiegelglatten
Weiher ab, über welchen Brücken in Park und Garten führen. Ich sitze an der
offenen Tür und sehe durch die offenen Partien in die fernen blauen Berge und in
die durchsichtige, in der Abendsonne mit Tränenstäubchen spielende Luft. Das
Geräusch der Bewohner kommt selten hieher, sie schwärmen vorn unter den
Zitronen- und Mandelbäumen, die in den breiten Vorhallen des Schlosses stehen.
Ich habe mich unwohl melden lassen; so denk' ich, wird mich niemand stören, wenn
ich Dir weiter erzähle von meines Lebens größtem Glück und Leid. - -
    Sie zog mich fort vom Sofa, weil sie befürchtete, ihr Bruder könne Geräusch
hören, ging in ihr Schlafzimmer und setzte sich aufs Bett; ich kniete vor ihr.
Es war keine platte Sinnlichkeit, die Poesie beugte sich lauschend wie ein
rosenrotes Kind zwischen uns, der Mond schien in Klaras Gesicht, sie sah wie
eine Heilige aus, die zurückgekommen ist auf die Erde, um ihre törichte
Verhöhnung der Natur lächelnd und küssend abzubüssen. Klara küsste einen heißen
Kuss auf mein Auge, ihre runden weichen Arme schlossen sich wie elektrische Bande
der Seligkeit um meinen Nacken, eine glühende
