, der alte kleine Leopold begegnet mir nur zuweilen und
überrascht mich wie ein wiedergefundener Bekannter, ich bin durch und durch ein
neuer Gedanke von Glück und Liebe.
    - Wie Du sanft lächelst ob meiner Überschwenglichkeit, nicht wie ein
Mephisto, aber wie ein Weiser der kühlen Stoa - sieh, das macht Dich mir so
liebenswert, dass ich immer wieder meine heiße Brust an Dein kühles Haupt lege:
Du gewährst ja der Persönlichkeit ihr Recht. Ich lasse mich nur von Dir gern
schelten. William dagegen erbittert mich.
    Nun horch, was mich hier so unsäglich beglückt. Der Graf hat eine Tochter,
Alberta, schön wie Diana, spröde wie Diana, göttlich wie Diana - jeder Gedanke
in mir liebt sie, und jeder Gedanke an sie ist Poesie. Ihr Kopf ist der einer
Madonna, die ihre Verklärung ahnt, die noch nicht geliebt hat, aber auf den
Lippen, auf den Augenwimpern die schalkhaften Liebesgötter hebt und wiegt, die
ihr zuflüstern, dass sie unendlich lieben werde. Der Ausdruck ihrer Züge ist ein
seliges, träumerisches Aufwachen, ihr wie ein Blumenkelch sich aufschliessendes
Ganze lispelt zauberisch: Ich fühl's, ich werde lieben. Wie über der Blume
schimmert der Tau der Sehnsucht, der frische Morgen - ach es ist ein
unbeschreiblich liebes Mädchenbild, und ich muss mir die Augen zuhalten, um
ungestört mit ihr kosen zu können. Sie ist fein, aber rund und voll gewachsen.
Trotz ihrer sonstigen Sanftmut trägt sie den Kopf keck und stolz und geht in
einer sehr vornehmen Haltung einher. Ihr Haar ist rabenschwarz, sie trägt es
glatt und ungelockt, meist verhüllt durch eine Art leichten Turbans, den sie mit
großer Geschicklichkeit zu drapieren weiß, so dass er wie ein keckes Bürschchen
herunterschaut. Die Stirn ist schön wie ein Marmortempel, die Augen - ach wenn
ich Dir sagen könnte, was es mit diesen Augen, mit diesen lispelnden Mundwinkeln
für eine Beschaffenheit hätte! In den Augen und auf dem Munde ruht jene
Sehnsucht des betauten Blumenkelchs. Das Auge ist groß und schwarz, aber nicht
stechend schwarz, nein, weich wie Samt und Seide, weich wie die Nachtluft im
heißen Sommer, glänzend wie ein dunkler Wasserspiegel, der in ungestörter Ruhe
zwischen den hohen Bergen Tirols lagert. In seinen Tiefen glaubt man
bezauberndes Glockengeläut zu hören, Städte von fabelhafter Pracht und
Herrlichkeit liegen zu sehen. Albertas Auge ist das Märchen von tausend und
einer Nacht, und die langen dunkeln Wimpern beschatten es wie die träumerische
Palme Arabiens zur Zeit der Dämmerung; fein und schlank, fast unmerklich gebogen
ist die Nase, aber die zarten Flügel zittern mitunter wie Lotosblätter, die
Brahmas Odem durchbebt, und dann hebt sich so herausfordernd der kleine Mund mit
seinen vollen Lippen, und
