 kühn. »Du, das vergessen die alle bald,« sagte sie zärtlich zu
Einhart. »Mach dir nichts draus. Es ist ja Unsinn, so ein Wesen zu machen. Was
ist denn passiert? Du, das muss furchtbar interessant gewesen sein!« sagte sie
lachend. Da lachte Einhart auch. »Nu ob!« sagte er drollig. Und dann musste sie
ihm erzählen, was sie wusste, wohin er käme? und was man eigentlich mit ihm
vorhätte? Und am andern Tage befand sich Einhart schon bei einem
Steindruckmeister in der Lehre, einige Stunden Bahnfahrt entfernt in einer
kleinen Stadt.
 
                                  Zweites Buch
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Es ist eine Gefahr, wenn Menschen ein Leben vertun mit Dingen, die ihnen und
ihren Erinnerungen ewig entweichen, und die nichts zurücklassen, als müde Arme
und ein müdes Entsagen. Und die so in den Abgrund ihrer eigenen Zeit, der ihres
Sehnens einziges Gefäß sein kann - den vollen Lebenstrank einzubrauen, nur
Nieten um Nieten werfen, und auf ihrem Herzen beim letzten Atemhauche gellt es
aus der tiefen Leere eines weggeworfenen Lebens nach. Da kommt es wohl auch
schon mitten in der Zeit, dass der Verarmte, der nicht mehr seine Arme oder auch
seine Sinne regen kann, nach Troste greift und hingeht in Trunk und Taumel,
seine Leere auszulöschen, und vollends zu vergessen, was er an Wünschen und
Begehrungen emporblühen gesehen, einmal als noch das natürliche Drängen mit
Jugendgefühlen ihn hinaustrug ins Leben zu Tat und Traum.
    Es ist weit und breit ein solches ödes Land. Ein Großes, Ganzes, Gewaltiges
in der Zeit, und doch nur ein Zusammenklingen aus zerpflückten, zerstückten
Sehnsuchten des Menschen, gebaut wie aus heiligen Steinen. Und die daran
schufen, gehen seelenlos einher, das große, steingeschaffene Bauwerk
anzustaunen, aber offen oder heimlich möchten sie sich in den Staub werfen und
weinen nach ihrer verlorenen Seele. Aus solchen tiefen Erkennungen gehen schon
Kinder und Jünglinge in freie Wildnisse, wenn sie die Öde wittern, und suchen
sich mit Leidenschaft und Inbrunst anzuklammern an die Verheißungen, die in
eigenen Träumen leben. Wie sie immer sein mögen, solche, die mit Inbrunst und
wie heilig wandeln, zärtliche Schwärmer mit Augen, wie fromme Engel, oder
solche, die die Einfalt ewig lächeln macht, sanft und voll üppigen Vergnügens,
über die Torheiten, mit denen sich die Welt von Anbeginn betrog.
    So war es auch mit Einhart.
    Seitdem er in der kleinen Bergstadt lebte, hatte er die Einfalt zum Schutze
und das Lächeln zum Troste.
    Die Steindruckerei lag in einer engen Straße mitten in der Stadt. Die
Arbeitsräume dehnten sich nach hinten aus, und die großen Fenster gingen auf den
Hofweg und auf Schuppen. Er stand nun hier und griff
