. Und ein
Fegewind, der heranbrauste, riss und zauste sie hin und her und vertrieb
unbarmherzig Korn um Korn. Dass sie sich im Treiben der bedrohlichen Mächte
dünner und dünner schien, ein ärmlicher Stab und endlich ein dürres Nichts.
    Johanna hatte die Augen jetzt wieder fest geschlossen und war in das Nichts
ganz hineingeschlafen.
    Einhart trat zu ihrem Lager, von ihrem Sorgenatem angeweht und aus seiner
Versunkenheit geweckt. Johanna hatte im Schlafe aufgeseufzt. Aber wie er sie
jetzt lange zärtlich ansah, erwachte sie nicht, nur immer tiefer in Träume
gebannt, die ihr vieles sagten, was die Seele sich nicht frei eingesteht.
    Da träumte ihr ein Traum, der wie eine Erstarrung über ihr stand. Es träumte
ihr, dass man ihr das Gewand, die runden, vollen Flechten ums Haupt, ihr ganzes,
reiches Schwarzhaar und ihre Jugendfülle und knospende Gestalt, dass man ihr
alles genommen. Und dass sie irgendwo auf einem einsamen Hügel bar und bloß läge,
mitten in einem einsamen Steingeröll. Nichts um sie, rein nichts. Nur ein
unendlicher Horizont. Es war offenbar um sie ein Meer. Aber in einer ganz
trostlosen Stummheit. Es war tief lautlos zum Hilferufen. Und Johanna wollte
auch Hilfe rufen. Sie hatte schon gerufen, verhallend. Sie rief wieder, weil der
Ruf erstickte. Und der Ruf hielt sich doch auch gleichsam in der Luft. Der
Schrei war der Schrei der Stille selber geworden, der nun ewig in der Luft hing.
Da begann sie die Angst immer mehr zu pressen. Denn auch die Wellen des Meeres
schienen ganz starr.
    Die lebendige Blutwelle der Schlafenden raste in Johannas Herzen so arg, dass
sie sich umwälzte und neu zu stöhnen angefangen. Dass Einhart wieder mit seiner
ganzen Teilnahme an Menschen und Dingen zu ihr herantrat und sie ansah.
    Aber Johanna erwachte nicht. Der Bann hielt sie wie mit Krallen. Sie war
verödet. Es waren die Blumen und Träume von ihr genommen. So lebte sie es jetzt.
Die schönen Kleider, in denen sie Einhart vor sich hingestellt, die
Götterzeichen seiner Liebe und seiner Visionen, die waren längst abgefallen,
weil sie verurteilt war. Es war noch immer niemand um sie. Es war noch auf
demselben öden Dünenhügel. Sie war weit fort verschlagen. Sie war es gar nicht.
Es war kein Leben. Nur lebloses Erstarrtsein. Nur bleiches Land. Nur vertrackte
Gebilde von weißen Kieseln im bleichen, glühen Sonnenbrande. Brütende
Launenspiele von einem ewigen Gestorbensein. Wie nur Knochen und bleiches
Totengebein lag sie unter allerhand grinsenden Schädeln mitten auf dem Hügel.
Das sengende Licht erstarrt. Die jagende Woge erstarrt. Der Schrei hing erstarrt
in den Lüften, bleichend und ganz ohne Hoffnung.
    »Ach! - -
