 ihnen durch Blicke und Lächeln für
ihre hingebende Neigung. Aber ihr Herz schlug heftiger und heftiger und in ihrem
Geist bewegte sich ein Leuchten, wie sie es seit langem nicht gefühlt. Endlich
wurde es ihr zu eng im Zimmer und sie wollte auf die Loggia. Vittoria bat sie,
es nicht zu tun, denn sie scheine ihr so erregt und draußen sei es dunkel und
kühl. Aber Rosa lächelte nur und sagte: »Es ist ja Frühling, und ich sehne mich,
auch neu aufzuleben wie die Natur, es kann mir nichts schaden.« Sie trat hinaus.
Die geschäftige Vittoria räumte indes im Zimmer auf, Beppo aber stand hinter der
geöffneten Tür der Loggia, denn er wagte nicht, mit hinauszutreten, um die
Gedanken, die Rosa beschäftigen mochten, nicht zu stören, aber es war ihm, als
müsse er wachen, dass ihr nichts Übles begegne. Da hörte er plötzlich ihre
Stimme, die sprach:
»Dunkel ruht die Nacht;
Freudlose Stille
Liegt auf der schlummernden Erde.
Hier und da blitzen
Lichtchen herauf
Aus der feuchten Tiefe,
Wie ein ängstliches Fürchten
Beschränkter Menschen
Vor dem grausigen Dunkel.
Ich aber trete
Furchtlos hinaus,
Müde des ewigen Truges,
Den, in des Tages
Täuschender Helle,
Sinnesbetört
Immer von neuem
Das Herz am Herzen begeht
Heilige Nacht!
Du nur bist Wahrheit;
In dir verschwindet
Der gleissende Prunk,
Den die Maja verleiht.
Frei, in unsterblicher Schöne,
Schwebt die enteilende Seele
Aus der verwelkenden Hülle
In den Kreis vollendeter Freude,
Wo die heilige Liebe,
Frei von irdischer Lust,
Wie ein leuchtender Ärher
Still um Selige fließt.
Da aus himmlischem Dunkel
Tritt ein strahlender Stern;
Ja, Symbol nur
Ist die sichtbare Welt!
Schon verwehen die Nebel!
Schon versiegen die Schmerzen!
Auf, entfaltet euch, Schwingen,
Tragt mich hinauf in das Licht.«
»Vittoria, sie improvisiert wieder, sie ist gerettet,« flüsterte Beppo der
Schwester zu, die nun auch horchend stillstand; da hörten sie ein kurzes Ach und
sahen Rosa wanken. Vittoria sprang herzu und fing sie in ihren Armen auf. Rosas
brechendes Auge grüßte sie mit einem letzten Blick und ihren Mund umschwebte ein
himmlisches Lächeln. Ein Herzschlag hatte sie getötet; Vittoria legte sie auf
das Bett, wo sie wie eine zum seligsten Leben Erlöste in unbeschreiblicher Anmut
ruhte. Die Geschwister, von ehrfurchtsvoller Rührung ergriffen, die jeden lauten
Ausbruch des Schmerzes fernhielt, knieten beim Lager nieder und beteten zu ihrer
Heiligen, dass sie ihnen Kraft gebe, weiterzuleben.
 
    
