 voll erstohlenen Glücks, das die Leere und
Öde des ersteren ersetzen musste. Beide Arten von Frauen habe ich angestaunt,
vielleicht auch etwas beneidet, aber ich hätte keine je nachahmen können - es
wäre allzusehr meiner innersten Natur zuwider gewesen.
    Ich habe gewartet. Gleich vielen Frauen, die ihr Leben lang nichts tun als
warten.
    Die Wandlungen in meinem Leben sind immer von außen gekommen.
    Nach Jahren, in denen die goldene Jugend schwand, ward mir die allzu schwere
Last, ohne mein Dazutun, wenigstens teilweise abgenommen. Aber sie hatte mir
ihren Stempel gelassen. Das Gebücktsein war mir geblieben, wie den Bäumen, die
sich jahrelang vor dem Nordsturm beugen mussten. Alle Schwungkraft hatte ich
verloren. Hoffnungslos schaute ich um mich. Was konnte das Leben noch enthalten?
    Wanderjahre folgten und brachten etwas äußere Zerstreuung. In mir war es
ganz still geworden. Ich hielt es für Todesstille, die ja für so viele lange vor
dem Tode kommt.
    So kam ich nach Peking.
    Damals wähnte ich, des Lebens Kampf sei überwunden, und wunschlos lebte ich
hin in wachem Traume. Wie blasse Nebelbilder glitten die Tage an mir vorüber.
Müde, müde war ich, gleich allen, die nur noch des Endes harren.
    Da kamen Sie.
    Wie soll ich das schildern, was unbewusst, ungesucht geworden, woran ich nie
rührte, was ich nicht sehen wollte. Die wir viel gelitten, wir scheuen uns
davor, die dunkelsten, verborgensten Tiefen des eigenen Herzens zu
durchleuchten, wir gehen rasch an diesen Schlupfwinkeln alter und neuer Leiden
vorbei, wie Kinder schnell durch ein finsteres Zimmer laufen. Das Leben hat uns
Angst vor dem Unbekannten gelehrt, wir wissen, dass es meist neues Weh bedeutet,
drum rühren wir nicht daran, schreiten vorsichtig und reden leise. Mutlos war
ich geworden. Wollte nicht sehen, dass wir nach allem Erlebten, doch immer noch
Träger vieler Möglichkeiten sind, die verborgen in uns ruhen, harrend nur einer
gewaltigen Kraft, die sie unter Schmerzen ins Leben rufe.
    Ich wähnte, mein Tag ginge schon zur Neige, und es ward noch einmal Licht.
Ist es eine gütige, wärmende Sonne, die den Abend reicher und goldener
bescheinen wird als es der ganze müde Tag je gewesen? Ist es ein grell sengender
Blitz, der aus dunklem Gewölk niederfährt und das verwüstete Land noch einmal
fahl bescheint? Ich weiß es nicht. Weiß nicht, welch Himmelszeichen über uns
steht. Kann nicht der Zukunft Schleier durchdringen. Aber die gewaltige Kraft,
die Verborgenes, Schlummerndes ins Leben ruft, sie ist gekommen in Sorgen und
Bangen; sie drückt mir die Feder in die Hand zu Worten, die ewig ungeschrieben
geblieben wären, ohne diese Angst um Sie!
    Äußeren
