 antwortete er: »Wenn ich in stiller Nacht unter dem glänzenden
Firmamente liege, ist es mir, als schaue Allah mit tausend hellen, lieben,
gütigen Sternenaugen aus dem Himmel auf mich hernieder, um mir zu sagen, dass ich
in seinem Schutze ruhig und sicher schlafen könne. O Sihdi, ich habe diese
freundlichen Ujun es Sema so herzlich lieb!«
    Wenn dann der Mond erscheint und seinen lichten Schein mit ihren Strahlen
vermählt, so liegt es wie ein durchsichtiges Meer von flüssigem Silber, dessen
Kräuselungen im herrlichsten Perlmutterglanze flimmern, über die Wüste
ausgebreitet. Ein so magisches, zauberisches Licht besitzt der Mond nirgend
anderswo. In der bewegten Luft schweben seine Strahlen hin und her. Es geht die
Fee der Wüste durch die helle Nacht. Der Saum ihres Gewandes streift leise über
den Sand; ein Heer von Elfen fliegt umher, die Mondesstrahlen einzufangen, um
die Gebieterin mit ihnen zu schmücken. Da werden spinnenfeine Lamettafäden zu
glitzernden Shawls verwoben und mit sternleuchtenden Flimmern besetzt;
smaragdene Kette und diamantener Einschlag bilden den Schleier, lang nachwehend
wie ein schimmernder Duft. Aus brillantenen Scintillen entsteht das Diadem,
funkelnd in märchenhafter Pracht. So schwebt sie dahin über lunarisch mild
funkelnden Filigran, schöner noch als Scheheresades herrlichster Traum. Die am
Tage so öde, todesstarre Wüste ist jetzt ein herrliches, geheimnisvolles
Gedicht, von dessen Versen du nur den immer wiederkehrenden Refrain verstehst:
»Lobe den Herrn, meine Seele, und alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobet den Herrn, ihr seine Engel, all seine Heerscharen, die ihr gewaltig seid
an Kraft; vollziehet seinen Willen, die ihr seine Stimme hört!« Vernimmst du die
Lobgesänge dieser Engel? Schliesse die Augen, und lausche in dein Herz hinab!
Auch dort sind leuchtende Sterne aufgegangen, und das Licht der Gottesnähe
breitet sich über die erkenntnishungrige Einsamkeit. Es werden Stimmen laut in
dir; beachte sie nur! Sie rufen dich von deinem bisherigen Pfade ab zum
Karawanenwege der Gläubigen, der nach dem Lande der Verheißung führt. Deine
Seele bricht auf, ihnen zu gehorchen; deinen müden Körper aber nimmt der Schlaf
in sein Arme. Allah jebarik fik; Allah jatik nuro; leletak sa'ide - Allah segne
dich; er spende dir sein Licht; gute Nacht!
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    Die Wüste, durch welche wir heut kamen, war ein südöstlicher Ausläufer der
arabischen Nefud, welche selbst von den Eingeborenen sehr gefürchtet ist. Wir
hatten Mühe, die Richtung beizubehalten. Sie besteht nämlich aus langgestreckten
Sandhügeln, welche oft parallel, oft divergierend voneinander liegen und durch
unregelmässige Querreihen
