 sie befinden sich in derselben Wüste und haben ganz dasselbe
empfunden und gedacht wie du. Es gibt unter ihnen keinen, der an dem Dasein
Gottes und an dem ewigen Leben Zweifel hegt, denn die Seele jedes von ihnen ist
da oben gewesen, wo jetzt auch die deine war.
    Der Tag vergeht, und um die Zeit des Moghreb wird Halt gemacht. Das Lager
wird gebildet und dann das Wasser ausgeteilt. Wie erhebend klingt dann der Ruf:
    »Hai 'alas Salah, hai 'alal Felah; Allah akbar; la Ilaha il Allah - - - auf
zum Gebete, auf zum Heil; Gott ist sehr groß; es gibt keinen Gott außer Gott!«
    Nach dem raschen Hereinbruche der Dunkelheit wird noch das Abendgebet
gesprochen; dann hüllt ihr euch in eure Decken; die Beduinen schlafen; du aber
hast die Augen offen, denn die Sterne Gottes sind aufgegangen, hier in größerer
Pracht und Herrlichkeit als anderswo. Sie ziehen mit magischer Gewalt deinen
Blick zu sich hinauf und mit ihm deine Seele mit allen ihren Gedanken.
    Du denkst zunächst des heimatlichen Himmels, der andere Bilder hat als
dieser südlichere. Das liebe Vaterhaus mit allen, die in ihm wohnen, kommt dir
in den Sinn. Dein Herz eilt hin zu ihnen, denen deine Liebe gehört. Du hältst
Heimkehr aus der Wüste, aus der fernen Fremde in die Heimat, die dich geboren
hat. Aber der Glanz der Sterne zieht dich wieder her, ohne dass du das Gefühl,
daheim zu sein, verlierst. Bist du nicht auch hier daheim, an der Seite des
himmlischen Vaters, von welchem Jesaias79 sagt: »Kann denn ein Weib ihres Kindes
vergessen, dass sie sich nicht erbarmte des Sohnes ihres Leibes? Und wenn sie es
vergässe, so wollte doch ich dich nicht vergessen!« So wird dir selbst die Wüste
zum Heim, und auch die Sterne grüßen dich nicht fremd. Es ist, als ob sie liebe,
verheissungsvolle Worte herniederflimmerten von den Wohnungen im Hause des
Vaters, welche Christus uns bereitet hat. Ist es nicht wunderbar, dass diese
Sonnen und Welten, millionenmal größer als unsere winzige Erde, dich nicht
erschrecken, sondern vielmehr deinen Glauben und dein Vertrauen stärken? Es
drückt dich nicht nieder, dass sie schon Milliarden von Jahren bestanden haben
und noch Billionen von Jahren bestehen werden, während dein Leben höchstens
siebzig Jahre währt, und wenn es hoch kommt, so sind es achtzig Jahre. Und du
tust wohl daran, so zuversichtlich zu sein, denn Christus sagt: »Himmel und
Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!« Und diese Worte,
welche ewig bleiben, sind die Worte von der Liebe, von der Liebe des Vaters,
dessen
