 Kleinsein mit dem
Gewürm - und sich behagen am Farbenspiel des Regenbogens mit einem kleinen
Aufblick einer verschüchterten, verkümmerten Menschen seele: das ist der Lauf
der Welt. Ich aber habe den Drang und die stolze Sehnsucht, auf den
Brückenstufen dieses Regenbogens zu dem Reiche des ewiglich Unbedingten
emporzuklimmen. Dahin stürmen die Wünsche meiner Seele. Und ich ging auf den
Markt, und auf meine Freiheit war ich bedacht, indem ich mit dämonischer
Zärtlichkeit das Bewusstsein meines Gegensatzes grosssäugte. Oh! Ich
Culturbursche! Ich pflückte die Orangen der Sünde, wie die Anderen; ich spann
die feinen und groben Fäden der Lüge wie die Anderen; - und heimisch wurde ich
im Alphabet der Hinterlist und Gemeinheit, wie kein Zweiter. Und es ekelte mich
vor mir und ich ging in die Einsamkeit. Aber nachwirken spürte ich den Giftatem
der Welt - ich war gemünzt - und ich besudelte die keusche Majestät der
Einsamkeit. Ich ward ein tragischer Zwerg. Ich wollte mich über mich erheben,
indem ich mich vor mir erniedrigte. Aber der Markt der verbogenen, verlogenen
und befangenen Zeitlichkeit hatte schon das Brandmal in meine Schächerseele
gedrückt, das Brandmal, das da verriet: auch ich habe schon in seinem Solde
gesündigt. Und ein Zweites offenbarte mir die Einsamkeit mit zermalmender
Deutlichkeit: die grenzenlose Unzulänglichkeit meiner Kunst! Sprechen wollte ich
mit feurigen Zungen - und ich stammelte wie ein unmündiges Kind. Erheben wollte
ich mich auf den Flügeln der Morgenröte - und ich watschelte dahin, wie eine
fluglahme Ente. Selige Ahnungen, Offenbarungsträume schossen durch mein Hirn -
ein taumelnder Drang flutete empor - und ich krümmte mich ohnmächtig unter der
Befangenheit meiner Aeusserungskräfte. Zu groß für den Markt und zu klein für die
Einsamkeit - und doch auch wieder zu groß selbst für die Einsamkeit, deren
letzte Resultate ich intuitiv vorwegnehme - sie könnte mir schließlich nur eine
Schaale kleinerer Mittelerkenntnisse zusammenhäufen! - dort verachtend, hier
verzweifelnd - dort sehend, hier blind - und doch zugleich auch sehend -
nüchtern und trunken in Einem: so schließe ich ab, da sich in mir Alles
vollendet und beschlossen hat, was innerhalb dieser engen Bedingnisse sich
vollenden und beschließen kann. Mit übermenschlichen Ahnungen ausgerüstet - im
letzten Lebensmomente noch einmal durchschüttelt von den Cyclonen einer Himmel
und Erde durchstürmenden Leidenschaft - - nun stiller schon und klarer - - nun
ganz geläutert - gehe ich dahin, wo ich sein werde, wenn ich nicht mehr bin ...
Noch einmal locken mich die Reize der Natur - aber ich erinnere mich, dass ich
schon verlernt habe, mich von ihrer nackten Keuschheit naiv rühren zu lassen -
ich dachte schon zu viel. Noch einmal locken mich Liebe und Schönheit.. Aber ich
erinnere mich, dass ich alle Liebeswonne gekostet habe und sie doch
