 liebe ich wie eine Braut.
Denn Du verliehst ja Wolken, Wellen, Winde
Als Brüder, o Natur, mir Deinem Kinde.
Gewohnheit ist die Sünde wie die Tugend.
Vorm Keim des Lasters wahre Deine Jugend!
Umsonst sucht's dann die Mannheit auszurotten.
Die starken Wurzeln Deines Wollens spotten!
Dieser Grundsatz möge stützen
Deinen Wandel bis ans Grab:
Wisse Deine Zeit zu nützen,
Gib Dich nicht mit Skrupeln ab!
Denn vergeudest Du Sekunden,
Werden leicht Minuten draus.
Jahre werden so aus Stunden.
Und Du wirst - ein altes Haus.
Zweifel, Reue, das sind Ketten.
Taste nicht nach gutem Rat!
Arbeit kann Verzweiflung retten
Und Befreiung ist die Tat.
Der Bach war unzufrieden
Mit seiner Kleinheit.
Und rief den Regen.
Und trat mit unruhvollem Sieden
Aus seinem Bett. Doch war ihm das kein Segen.
Denn er verlor darüber seine Reinheit.
Nun floss er durch Einöden, war voll Schlamm.
Mit Wehmut drum gedachte er der Bäume
Und Blumen, die einst seine Ufersäume
Geschmückt. Was schwoll ihm auch so hoch der Kamm?
Die rote Sonne funkelt
Pfeilscharf durch schwarze Rüstern
Und überem See es dunkelt,
Die Wogen flüstern.
Ich bin gesund und munter.
Doch in der Sehnsucht Wogen
Geh' ich urplötzlich unter,
Hinabgezogen.
Mehr Geistiges zu geben
Dem Menschen Gott vergönnte,
Als für das Erdenleben
Er brauchen könnte.
Ja, dieser Schmerz, uns nahend,
Wenn die Natur uns offen,
Ist ein Beweis, bejahend,
Was wir erhoffen.
Am Apfelfall fand Newton, heißt es,
Das Gravitationsgesetz.
Was sollten wir nicht finden jetzt
Im kleinsten Fall Gesetze des Geistes?
Und sätest nie den wilden Hafer Du
Und opfertest den Sinnen keck,
Warst nie ein Lidrian und Geck,
So traue ich Dir auch nichts Großes zu.
Ich soll mich der Wahrheit schämen,
Hör' ich den Michel toben?
Ich werde mich dann erst grämen,
Wollt Ihr mich loben.
Ich wusste, Liebe scharfe Pfeile wetzt,
Doch dass der Pfeil vergiftet, spür' ich jetzt.
Und wenn sich selbst herunterdrücken
Die Kaiser zum Steigbügelhalter,
Des Papstes weltlichem Verwalter,
Tritt Dante auf der Päpste Rücken.
Der Arzt, der zu studieren beginnt,
Keinem Leiden selber entrinnt,
Hält mit seiner Wissenschaft Schritt,
Macht jede Erscheinung der Krankheit mit.
Nur was wir im innersten Wesen erkennen,
Wissen wir auch beim Namen zu nennen.
Drei Menschengattungen gibt's in der Welt.
Zuerst die sinnlich stumpfen Massen,
Die nichts verehren als Genuss und Geld
Und das Gefühl wie den Gedanken hassen.
Doch dann der Edleren geringe Zahl,
Zu zart durch Denken und Gefühle,
Sie gehen unter, höhnisch und brutal
Zerstampft und übersehn im Weltgewühle.
Denn sie sind Silber
