 nicht lottern. In der Luft Revier
Steig auf und selbst die höchsten Alpen meide
Du nicht in Deinem Flug! In Kraftbegier
Zerbrich die Halfter, sei kein Droschkenschimmel!
Erzhufig Ross der Phantasie, gen Himmel!
Und voll entfaltend Deine prächtigen Flügel,
Trag' mich empor, auf Deinen Rücken springend!
Hui! Schleudre von Dir bald Gebiss und Zügel,
Durch Sonnenglut und Wetterwolken dringend!
Verzicht' auf Dich, wer noch bedarf der Bügel!
Fort, Zaum! Ins Allerheiligste Dich schwingend,
Steig auf, Bellerophon! Mag's droben blitzen!
Die Sonne blendet nicht, die sicher sitzen!
Dies Bildnis ist nicht zeitgemäss. Es wäre
Moderner der Vergleich wohl mit Raketen,
Zerplatzend, während sie im Aetermeere
Aufsegelnd schon den Wolken-Kreis betreten.
Oder mit Luft-Ballons, die man beschwere
Mit tüchtigem Ballast nur, sonst gehen wir flöten.
Pfeilschnell geht's in den stickstofflosen Äther.
Die Stoffbeherrschung weicht, die Sinne später.
Die Blase platzt und mit verrenkten Beinen
Zur Muttererde purzeln wir. Noch neuer
Und zeitgemässer mag das Luftschiff scheinen.
Dies »Hölzerne Pferd«, gleich Iliums Bedräuer,
In dem sich Holz und Stahl und Dampf vereinen,
Mit einem Schwanz von Kohlenrauch und Feuer.
Fünftausend Pferdekraft hat sein Gestampf.
Poeten lieben blauen Dunst, o Dampf.
Nur Opium ist unsre Phantasie:
Entzücken erst und herrliche Gesichte,
Dann Mattigkeit und Angst. Die Poesie
Hebt uns empor, doch bleierne Gewichte
Ziehn uns zum Staub. Wir nähren in uns nie
Das Göttliche und streben auf zum Lichte,
Ohne ins Tierische uns zu verirren,
Weil Ideal und Sinne sich verwirren.
Den Geist der Alten hat die Welt verloren.
Cäsar wird als Napoleon geboren.
Wo Cincinnat? Nur Washington und Pitt
Noch widerhallen den Heroenschritt.
O bei den Heiligen von Maraton
Schlief gern auch ich, der spätgeborne Sohn!
Zerschmettert sind des Partenon Gebilde,
Atene schwingt nicht mehr den goldnen Speer.
Doch ob das Gold verblich auf ihrem Schilde,
Noch rollt, vom Golde ihrer Weisheit schwer,
Durch der Geschichte sagenhaft Gefilde
Die alte Musenquelle zu uns her.
O Salamis, wo in der Meeresgrotte
Zugleich Euripides zur Welt gebracht,
Als Aeschylos durchbrach der Perser Rotte,
Der seine Stoffe suchte in der Schlacht!
Als Pindars Hymne, der beseelt vom Gotte,
Weil ihn Korinna's Weihekuss entfacht,
Dem Munde eines Sophokles entstieg,
Das Tropaion umtanzend nach dem Sieg!
O könnt' ich in ein einzig Wort ergießen
Doch meinen ganzen Hass und wär's ein Blitz!
Er sollte mir vernichtend niederschiessen,
Sei nun sein Strahl Begeisterung oder Witz.
Wenn fest sich auch des Wahnes Pforten schließen
Und unerschüttert der Tyrannen Sitz,
Der Donner rollt, da hilft kein Blitzableiter
Des Vorurteils
