 versagend Deinem Munde -
Bleich wie sie, die Dir und uns verblichen,
Stierst Du starr und schweigend in die Runde.
Wartest, ruhend neben ihrer Leiche,
Kalt wie sie durch Dein erbittert Härmen,
Ob Dein warmer Odem wohl sich schleiche
In die Adern ihr, das Blut zu wärmen.
Doch genug! Erhebe Dich, Kalife!
Wenn der Liebe Freuden auch geschlossen,
Ist Dir's nicht, als wenn Drommete riefe
Oder Schnauben von beherzten Rossen?
Und Dein Reich, Kalif, es ruft Dich strenge,
Dass den Szepter fremde Hand nicht fasse!
Ferne hör' ich tausendstimmige Menge,
Feindestritte hör' ich nahn, erblasse!
Nein, erröte in gerechtem Zorne!
Lass die Toten und das Leben wähle,
Dass an unstillbarer Sehnsucht Dorne
Nicht verblute Deine starke Seele!
Also hätte ja auch Sie gesprochen,
Wenn der Feinde Schaaren Dich umdrohten!
An dem Feinde sei ihr Tod gerochen:
So gedenk', o so gedenk' der Toten!
                                Rafael Haubitz.
                          Aus dem Morast der Sansara.
Jüngst im Traum durch Kaschmirs Hain
Schritt ich hin auf weichem Rasen,
Wo Jungfrauen, selbst ein Kranz,
Rosen sich zum Kranze lasen.
Und ich wollte lechzend schon
Meine Auges Glut versenken
In den Blick der schönsten Frau,
Sinn und Seele, all mein Denken.
Wollte an mein fiebernd Herz
Ihren weißen Busen pressen
Und in wilder Liebeslust
Zeit und Ewigkeit vergessen.
Ich erwachte. Nacht um mich.
Einsam war ich und verlassen.
Tote Nacht, nur einzeln schlich
Noch ein Schwärmer durch die Gassen.
Wie unschuldsrein sind Deiner Lippen Rosen,
Wie jugendfrisch und rosig Deine Wangen,
Wie weiblich sanft Dein schmeichlerisches Kosen!
Doch tief im Herzen wohnen giftige Schlangen.
Längst ward es ein Morast, in dem versunken
Ein jedes reinre Fühlen, schmutz-getötet.
Dort wohnt das Irrlicht nur und finstre Unken.
War diese weiße Stirn je schamgerötet?
War früher je Dein Herz ein Friedensweiher,
In dem sich spiegelte der Stern der Reinheit?
Die Taube Weiblichkeit, hat sie der Reiher
Der Not verscheucht vom Sumpfe der Gemeinheit?
Ach, überem giftgen Abgrund fliegt die Taube
Verzweifelt hin und wieder in der Herde
Der Fledermäuse, flügel-lahm ihr Glaube
Und fern die Hoffnung auf die Heimaterde.
Sie winkt am Sumpfessaum, ein grüner Anger -
Umsonst! Nachtfalter schwirren dicht und dichter,
Die Taube stürzt sich, flatternd bang und banger,
Betäubt hinab, ihr eigener Vernichter.
Doch bist Du eine Taube, süße Schlange?
Warst Du es je? Du plätschertest mit Wonne
Im heimatlichen Kote wohl schon lange -
Du mit dem reinen Antlitz der Madonne!
Denn keinen Flecken ließ das Schmutz-Geträufel
Auf Deinen holden Zügen. Zu der Katzen
Geschlecht gehörst Du, Engel halb, halb
