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Nun senkt Dein Blick sich liebeschwer,
Wie der Taube, die nie vom Neste wich.
Und ist Dein Schritt nicht mehr so leicht?
Doch kehrte ich aus der Fremde zurück,
Entgegen eiltest Du mir vielleicht
So schnell, wie früher im Jugendglück.
Und wäre auch Deine Schönheit verblüht,
Sie blühte weiter im Herzen mir.
Denn ewig bewahrt ein liebend Gemüt
Die Rose der Erinnerung hier.
Ich möchte stehen, wo wie ein flinker Aar,
Dess Fittich leuchtet in der Sonne klar.
Wie weiße Federn sträubend seine Wellen,
Herniederstösst vom Berg der Wasserfall,
Bis am Granit die Fänge ihm zerschellen.
Wie Banner Wassersäulen wehn, die hellen,
Durchwirkt mit Gold, Rubinen und Smaragd,
Und schmetternd rollt es, wie Drommetenschall,
Wie Pauken wirbelt es in dumpfem Takt,
Und höher, dichter türmt sich Wogenschwall,
Als lärme eine Heerschaar von Rebellen
In diesem Höllenschlunde, von Dämonen,
Die mächtig rütteln an den Felsentronen,
Bis sie sich selbst erobert Sonnenkronen.
Hier möcht' ich stehen an des Verderbens Quellen,
Wo aus dem Abgrund dumpfe Schreie gellen.
Trüb war mein Blick von unvergossenen Tränen,
Mein Auge noch Dein Auge mied.
Dass Du verbergen wolltest, konnt ich's erwähnen,
Wenn sanft Du niederschlugst das Lid,
In Deinem Auge nur den Widerschein.
Verstohlenen Mitleids, das mir galt allein?
Ein Augenblick hat mir Dein Herz erschlossen,
Zum Tag des Glücks bin ich erwacht.
Auf welke Herzensblumen hat ergossen
Des Friedens Tau sich über Nacht.
Als Deine Lippe zitternd mich berührt,
Ward jedes Leidens Schatten mir entführt.
Und neue Sonne lag in Deinem Blicke.
Von mir Du fortgezaubert hast
Mit süßer Überredung die Geschicke,
Die lange mich verwandelt fast
In eine Missgestalt, ein Zwittersein,
Ein falsches Wesen, dessen Kälte Schein.
Doch jetzt fällt ab von mir die feige Hülle
Und ich bekenne laut und frei
All' meiner Liebe Übermaß und Fülle,
Werf' ab des Stolzes Sklaverei,
Der mich vermummt ins fade Geckenkleid.
Frei will ich nun bekennen Lust und Leid.
Ich bin ein Künstler. Und das wahre Siegel
»Von Gottes Gnaden« ist Dein Mund.
Dein Aug' ist meiner eignen Seele Spiegel,
Ich schaue deutlich bis zum Grund
In der Gefühle Strom, den Quell der Triebe.
Mein Auge schärft der Sonnenstrahl der Liebe.
Dass ich ein Künstler, fühl ich erst durch Minne:
Jetzt springt die Flut des Himmelsquells,
Den noch verbarg der grobe Staub der Sinne
Und des Verstandes kalter Fels.
Der Muse Gruß ist der Geliebten Lippe,
Und wahre Liebe wird zur Aganippe.
Gedanken bleichten Deiner Wange Glanz,
An ihrer weißen Rose zehrt der Gram.
Doch würde Freude oder holde Scham
Umwinden sie mit röterm Rosenkranz,
Fürcht' ich
