 Langeweile,
Die mich hetzt in allen Ecken.
Ach, es ist nicht mehr der Reiz der Sinne,
Denn ich weiß, was ich dabei gewinne:
Einen Katzenjammer besten Falles,
Einen schnöden Kitzel - das ist Alles.
Wird mein Wille mich denn nie erretten
Von den langgetragenen schweren Ketten?
Ja, ich tue einen großen Schwur:
Will mit einem Rucke sie zerreißen,
Tilgen jedes Sündenbrandmals Spur
Und den innern Moloch von mir schmeissen.
Liebe war es oft, die mich verführte
Und mit Leidenschaft das Herz mir rührte -
Kalt und ruhig blick' ich nun umher,
Keine Liebe kann mich locken mehr.
Es leuchtet in meines Innern Haft
Die Central-Seele der Welten.
Doch auch die Flamme der Leidenschaft,
Sie lodert daneben - was hilft das Schelten?
Vom Herbstwind eine Frühlingsblum' geknickt
Sahst Du noch nicht?
Dein Auge leicht dies Phänomen erblickt:
Mein Angesicht.
Elender, sieh Dein Bild in diesem Spiegel!
Die Lippe blass, die Stirne düster!
Ehrloser Lüste und des Grames Siegel
In jeder Falte ausgeprägt.
Ach! Meiner Sünden Leiden trägt
Dies Antlitz, wüster, immer wüster.
Ich dämmte in mir meiner Liebe Flut
Und barg voll Mut die innerliche Glut
Und widerstand den Augen, die mich riefen:
»Was zauderst Du? O lass den Blick, den kalten!
Soll ich vor Dir denn noch die Hände falten?«
Die Zweifel, Zorn und Kummer, die schon schliefen,
Weckt' ich aus neu, um mich ihr fern zu halten.
Denn so nur in dem selbstgeschaffnen Leid
Könnt' ich das Werk vollenden, das ich plante:
Die Zukunftsschöpfung meine Seele ahnte,
In der mein Gram ward zur Unsterblichkeit.
O könnt ich nur einmal die Liebesqual,
Bekennen, mich stürzen zu Deinen Füßen,
Und auf sie drücken das Henkermal
Wutbrennender Küsse, die Lust zu büßen!
Um Deine Kniee mit heimlicher Gier
Meine Arme brünstig stehend verschränken,
Deine zitternde Hüfte umspannend, zu mir
Deinen wallenden Busen, niedersenken.
Und immer weiter tasten jetzt
Auf taumelnder Inbrunst Stufenleiter,
Bis meine lüsterne Lippe zuletzt
Vom Nacken kostet weiter und weiter.
Bis die zarte Wange an meiner lehnt!
O könnt ich das Eis Deiner Keuschheit schmelzen!
Ha, wie der Verschmähung Rache sich sehnt,
Dich schwelgend durch Höllensümpfe zu wälzen!
                                Paulus Hartung.
                           Grabesseufzer an Serafina.
Die Perle birgt sich in der tiefen Muschel,
Brich sie heraus, so stirbt das Muscheltier:
Zur Liedesperle formt sich die Empfindung.
Doch ach! das Herz es bricht darüber Dir.
O sage nicht, dass dahin Deine Zeit
Und dass Deine Schönheit zu früh verblüht
Und dass Deine Jugendfreudigkeit
In der Schwermut Asche für immer verglüht.
Einst streifte Dein Falkenauge nmher,
Deiner Schönheit Beute suchte es sich
