 schwebt um schwarze Ruinen, - aber höher steigend, wie eine Lerche,
die des Schöpfers Bewusstsein in Lieder aushaucht, - endlich mächtig entfaltend
unendliche Schwingen, wie ein Aar aufsteigend zum Thron der Allmacht! Dann
zerreißt der Schleier vom Bild der Gottheit, und wir stürzen, vom Blitz ihrer
Größe getroffen, zu ihren Füßen. - Hallelujah, Vernichtung! Wird nicht das Blut
den Adern der bleichen Erde schöner entströmen in unversieglichen Wellen, als es
träge jetzt sickert, mit Fieberröte, Gesundheit heuchelnd, tünchend die welken
Wangen?
    Ach, wenn die Welt-Galeere zerscheitert in tausend Stücke, an die wir Alle
geschmiedet mit unlöslichen Fesseln - mitzusterben den großen Welttod, süßer
ist's, als mitzuleben das Allsein!
    Weltvernichtung, Selbstvernichtung! Tausendmal größer als unsre winzige
Erde, strömen Protuberanzen flammenden Dunstes von der Sonne aus, hornförmige
Zacken an der Lichtscheibe, die wir bei klarer Strandluft mit bloßem Auge
erkennen. Ist der Weltuntergang nah vor der Tür, bricht sie schon heran, die
große Darkness, wo die Sonne alle Weltlichter verzehrend auslöscht? Wo wir mit
der Erde zu Spreu verbrennen oder vergletschern? Und doch - des Menschen Geist
umfasst das All, steht darum über dem All. Die Alpen sind starr und leblos - wir
leben, denken, handeln, wir sind mehr. Geist und Leib mag verderben, aber bleibt
ein Prinzip der Existenz nicht in jedem von uns bestehen, das den Weltensturz
überdauert? Nun, und mag's denn sein, gehen wir unter! Ob wir uns wie ein
Bläschen Schaum der sich ewig neu gebärenden Woge der Materie mischen oder wie
ein wesenloser Windhauch im Sturme der Zeit verwehen oder uns als Perle einfügen
der Weltkette und gereinigt als krystallisirte Geistespotenz fortwähren - -
namenloser Schmerz der Selbstvernichtung, du birgst namenlose Wonne.
    Ach, sterben, sterben! Alles Schwankende sinkt ins Grab, gern gehe auch ich
von hinnen. In jedem Grashalm fühle ich mich ja auferstehen.
    Roter hatte Schreibzeug verlangt. Mit tiefer Überlegung und stillem
Bedacht schrieb er zwei Briefe nach Deutschland in ausstudirt jovialem Ton.
Dieselben sollten für später als Beweis dienen, dass er sich keineswegs mit
Selbstmordgedanken getragen habe und einem bloßen Unglücksfall erlegen sei. Der
erste Brief lautete:
                        Lieber Knorrer!
    Ich befinde mich (eine vorübergehende leichte Verwundung ausgenommen) hier
kreuzfidel - lebe, liebe, esse trinke und verdaue ausgezeichnet. Du machst Dir
keinen Begriff, wie wohl mir ist, wie ich all meine Schmachtlappigkeiten jetzo
belächele. Den Kameelshaar-Überzieher aus Salzburg, den Du stets empfiehlst,
werde ich mir von hier aus bestellen. - Meine Studienmappe ist voll famoser
Motive. Zur Berliner Kunstausstellung werde ich wohl noch 'was fertig kriegen. -
Holla, da entschlüpft mir ein Gedichtlein,
