 baut im dunkeln Strauche sein Haus, und nimmt die Beere,
die er gibt; genügsam ist die Natur, und ihres Lebens Einfalt verliert sich nie,
denn sie erhebt sich nie in ihren Forderungen über ihre Armut. Genügsam ist der
mangellose Geist, in seiner ewigen Fülle, und in dem Vollkommenen ist kein
Wechsel. Der Mensch ist nie genügsam. Denn er begehrt den Reichtum einer
Gottheit, und seine Kost ist Armut der Natur. - Verdamme nicht, wenn in dem
Sinnenlande das niebefriedigte Gemüt von einem zum andern eilt! es hofft
Unendliches zu finden: durch die Dornen irrt der Bach; er sucht den Vater Ozean.
Wenn sein vergessen, des Menschen Geist über seine Grenze sich verliert, ins
Labyrinth des Unerkennbaren, und vermessen seiner Endlichkeit sich überhebt,
verdamme nicht! Er dürstet nach Vollendung. Es rollten nicht über ihr Gestade
die regellosen Ströme, würden sie nicht von den Fluten des Himmels geschwellt.
    Der schöne Knabe, der indes im Garten sich beschäftigt hatte, kam und bracht
uns Blumen, erzählt' uns auch manches, und wies uns das goldne Feuer über den
Gebirgen. Es war schon Abend geworden. Ich nahm die freundliche Herberge mit
Dank an. Das Leben ist nicht so reich, dass wir ein reines Wesen, wie der Mann
war, den ich gefunden hatte, so schnell verlassen könnten.
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                                Zweites Kapitel
Noch denk ich gerne des Morgens, der uns jetzt umfing, und wie sein Zauber uns
verjüngte. Doch fand ich nie ein treues Bild für meine goldnen Stunden, um
andern zu verkünden, was ich genoss. Die Natur gab ihren Mutterpfennigen ein
ungangbares Gepräge, damit wir sie nicht, wie Scheidemünze, verschleudern
sollten. Auch mir war sie lange fremd gewesen, diese Ruhe und Regsamkeit, wo
alle Kräfte ineinander spielen, wie die stillen Farben am Bogen des Friedens.
    Es war ein heiterer blauer Apriltag. Wir setzten uns in den Sonnenschein,
auf den Balkon; es säuselten um uns die Zweige und durch die sonntägliche Stille
tönte ferner Türme Geläut und gegenüber das Spiel der Orgel vom Hügel der
Kapelle.
    Du machtest mich begierig, fing ich endlich an, auf die Geschichte deines
jugendlichen Lebens -
    Ich bin auch jetzt gerade gestimmt, unterbrach er mich freundlich, die
wunderbaren unschuldigen Gestalten erscheinen zu lassen, auch die wildern. Du
bleibst so lange bei mir, bis ich zu Ende bin. Ich gestehe dir, ich musste mich
lange von ihnen ferne halten um deswillen, was ich verlor, ich musste mich hüten
vor den Freuden und Schmerzen der Erinnerung, ich war, wie eine kranke Pflanze,
die die Sonne nicht ertragen kann.
 
                                Drittes Kapitel
tum der Heroen
