 nicht! Wenn
dem Geistigen in dir die Phantasie ein Zeichen erschafft, und goldne Wolken den
Äther des Gedankenreichs umziehn, bestürme nicht die freudigen Gestalten! Wenn
dir als Schönheit entgegenkömmt, was du als Wahrheit in dir trägst, so nehm es
dankbar auf, denn du bedarfst der Hilfe der Natur.
    Doch erhalte den Geist dir frei! verliere nie dich selbst! für diesen
Verlust entschädiget kein Himmel dich. Vergiss dich nicht im Gefühle der
Dürftigkeit! Die Liebe, die den Adel ihres Vaters verleugnet, und immer außer
sich ist, wie mannigfaltig irrt sie nicht, und doch wie leicht!
    Wie kann sie den Reichtum, den sie tief im Innersten bewahrt, in sich
erkennen? So reich sie ist, so dürftig dünkt sie sich. Sie trägt der Armut
schmerzliches Gefühl, und füllt den Himmel mit ihrem Überfluss an. Mit ihrer
eignen Herrlichkeit veredelt sie die Vergangenheit; wie ein Gestirn,
durchwandelt sie die Nacht der Zukunft mit ihren Strahlen, und ahndet nicht, dass
nur von ihr die heilige Dämmerung ausgeht, die ihr entgegenkömmt. In ihr ist
nichts, und außer ihr ist alles. Ihre Männlichkeit ist hin. Sie hofft und glaubt
nur; und trauert nur, dass sie noch da ist, um ihr Nichts zu fühlen, und möchte
lieber in das Heilige verwandelt sein, das ihr vorschwebt. Aber sie fühlt sich
so ferne von ihm; die Fülle des Göttlichen ist zu grenzenlos, um von ihrer
Dürftigkeit umfasst zu werden. Wunderbar! vor ihrer eignen Herrlichkeit
erschrickt sie. Lass ihr das Unsichtbare sichtbar werden! es erschein ihr im
Gewande des Frühlings! es lächl' ihr vom Menschenangesichte zu! Wie ist sie nun
so selig! Was so fern ihr war, ist nahe nun, und ihresgleichen, und die
Vollendung, die sie an der Zeiten Ende nur dunkel ahndete, ist da. Ihr ganzes
Wesen trachtet, das Göttliche, das ihr so nah ist, sich nun recht innig zu
vergegenwärtigen, und seiner, als ihres Eigentums, bewusst zu werden. Sie ahndet
nicht, dass es verschwinden wird im Augenblicke, da sie es umfasst, dass der
unendliche Reichtum zu nichts wird, sowie sie ihn sich zu eigen machen will. In
ihrem Schmerze verlässt sie das Geliebte, hängt sich dann oft ohne Wahl an dies
und das im Leben, immer hoffend und immer getäuscht; oft kehrt sie auch in ihre
Ideenwelt zurück; mit bitterer Reue nimmt sie oft den Reichtum zurück, womit sie
sonst die Welt verherrlichte, wird stolz, hasst und verachtet nun; oft tötet sie
der Schmerz der ersten Täuschung ganz, dann irrt der Mensch ohne Heimat umher,
müd und hoffnungslos, und scheint ruhig, denn er lebt nicht mehr. Sie sind
