, der uns umfängt, ist er nicht das Ebenbild unsers Geistes,
der reine, unsterbliche? und der Geist des Wassers, wenn er unsern Jünglingen in
der heiligen Woge begegnet, spielt er nicht die Melodie ihres Herzens? Er ist ja
wohl eines Festes wert, der selige Friede mit allem, was da ist! - Den Einen,
dem wir huldigen, nennen wir nicht; ob er gleich uns nah ist, wie wir uns selbst
sind, wir sprechen ihn nicht aus. Ihn feiert kein Tag; kein Tempel ist ihm
angemessen; der Einklang unserer Geister, und ihr unendlich Wachstum feiert ihn
allein.
    Es ist mir unmöglich, die Begeisterung des heiligen Mädchens nachzusprechen.
O schone dich, Diotima, schone dich und mich, rief ich endlich, da sie mit so
grenzenloser Liebe sich in ihre bessere Welt verlor, wer will es aushalten, nach
solchen Stunden, in der Armseligkeit, in die man zurückmuss? Aber du bist
glücklich, du fühlst die Gegenwart nur selten, hast sie nie gefühlt, wie ich es
musste - Ach! sie sind doch Menschen, fuhr Diotima fort, die Armen, die sich vor
uns müde ringen, und abkümmern, ohne dass sie wissen worüber; weil ihnen das
Eine, was not ist, nicht erscheint, da möchte man so gerne helfen - Wie gerne,
rief ich, möcht ich es ihnen gönnen, dass sie lebten, wie du! -
    Guter Hyperion! unterbrach sie mich mit ihrer stillen Herzlichkeit, und ihr
großes Auge glänzte von freundlichen Tränen. Mir ging ein Himmel auf in diesen
Worten. Es war mir ohnedies schon lange eine Qual gewesen, so ruhig vor ihr zu
bleiben. O Schwester meines Herzens! rief ich, mir hast du den Frieden gegeben!
erhalt ihn mir, um dieser Stunde willen! ich lebe dein Leben durch dich - o
deinen Himmel, Diotima, fuhr ich fort, da sie mich unterbrechen wollte, ich hab
ihn umsonst gesucht auf dem dürren Felde des Lebens, ich war so lange ohne
Heimat; ach! es war die Nacht vor dem erfreulichen Tage; ich seh es nun, wir
sterben nur, um neu zu leben, ich war hingewelkt vor der Zeit, nun kommt mir ein
ewiger Frühling, ich fühl es, hier ist unsterbliche Jugend, hier, wo du bist! -
Stille, stille, jugendlicher Geist! rief Diotima.
    Ich war, indes sie es sprach, selbst über mich erschrocken. Es schwebte mir
noch manches warme Wort auf der Zunge; ich verschwieg es, aber bei jedem ward
ich bestürzter. Ich war stille, aber ich fühlte nur um so brennender, wie ich an
ihr hing. Sonst war ich ruhiger von ihr
