 im Kloster geweiht, wenn Gott sie
und ihr Kind am Leben erhalte, und dass mein Vater, dem dieser Gedanke
unerträglich, später mich vom Himmel eingelöst, indem er, freilich mit
Zustimmung des Bischofs von Rom, statt die Tochter hinzugeben, Kirche und
Kloster hier gebaut.«
    »So ist es, Kind, mit dem vierten Teil seines Vermögens! Darüber kannst du
dich beruhigen. Der Nachfolger des heiligen Petrus, der die Macht hat, zu binden
und zu lösen, hat den Tausch, die Umwandlung des Gelübdes gebilligt. Du bist
frei!« - »Aber ich fühle mich nicht frei! Nicht mehr seit jener Stunde! Was auch
du, was auch der Vater gesagt, tief, tief in meinem Herzen spricht eine Stimme:
der Himmel nimmt nicht totes Gold statt einer lebendigen Seele. Das Schicksal
lässt sich nicht abkaufen, was einmal ihm verwirkt war. Die finstre, ernste,
drohende Macht jenes heiligen Glaubens, der meiner Seele fremd gewesen und
geblieben ist, die in diesem feierlichen Raume wohnt, hat ein Recht, ein
zwingend Herrschaftsrecht über meine Seele und lässt nicht davon. Ich bin ihr
verfallen. Ihr gehör' ich an, nicht wollend, widerstrebend, aber sicher doch.
Der Welt der Entsagung, des Schmerzes, der Dornen: nicht jener goldnen Welt
meines Homers, der Blumen und des Sonnenscheins, zu der noch immer von innen
meine ganze Seele neigt. So oft ich's auch vergessen will, immer ziehen wieder
die Wolkenschatten über meine Seele. Sie drohen im Hintergrunde aller Freuden:
wie dort das finstre Martyrbild hinter den roten Rosen.«
    »Valeria, du hassest, scheint's, was du verehren solltest.«
    »Ich hasse es nicht. Ich fürchte es. Wohl war eine Zeit,« - und ein Strahl
der Freude flog über ihre Züge »da glaubte ich den dunkeln Schatten für immer
besiegt von einem hellen Gott des Lichts. Als ich zuerst des jungen Goten
lachend Auge sah und seine sonnige Seele mich umschloss, als so viel Jugend,
Schönheit, Liebe und Glück mich umfluteten, da wähnte ich wohl, für immer sei
jener Bann gelöst. Aber es währte nicht lang.
    Der finstre Gott des Schmerzes pochte vernehmlich an die goldne Wand, die
ich zwischen ihn und mich gebaut und immer näher drangen seine Schläge. Der
Krieg bricht aus, mein teurer Vater fällt und nimmt einen verhängnisvollen Eid
des Geliebten mit sich ins Grab. In Schutt versinkt das Haus meiner Ahnen und
ich muss flüchten aus meiner Vaterstadt. Sie fällt dem Feinde zu. Nur das Opfer
eines köstlichen Lebens rettet mir den Geliebten. Die Woge des Krieges
verschlägt ihn fern von mir.
    Und wie ich erwache aus der Betäubung dieses
