! eine so zarte und noble Dame, wie Gräfin
Regina, drückt ihre Herzensempfindung auch zart aus.«
    Kopfschüttelnd las der Graf:
                                 Mein Erbteil.
O wohl sind sie dunkel die Nächte,
Die schwarz um den Pfad sich geballt,
Wenn Irrwisch und trügende Mächte
Verlocken in Gauckelgestalt;
Wenn immer ein Stern zu erspähen,
Wenn strauchelt der Fuß - ach, wie oft!
Doch Du wachst auf seligen Höhen:
Ich weiß, in Wen ich gehofft.
O wohl sind sie dunkel die Nächte,
So Innen die Seele umziehen,
So schwarz, dass das Wahre, das Rechte,
Nicht kräftig und frisch kann erblüh'n.
Doch sind auch die spärlichen Saaten
Der segnenden Sonne beraubt,
Du wachst und sie können geraten:
Ich weiß, an Wem ich geglaubt.
O wohl sind sie dunkel die Nächte,
Worinnen das Herz versinkt,
Wenn dürstend nach Liebe, die ächte,
Ach fern, ach verloren ihm dünkt,
Wenn zitternd im schmachtenden Bangen
Nicht Labsal noch Tröstung ihm gibt;
Doch Du wachst und stillst sein Verlangen:
Ich weiß, Wer mich ewig geliebt.
O wohl sind sie dunkel die Nächte,
Die Erde, durch Leid und durch Lust!
Das Leben, ein Dornengeflechte,
Zerreisst und verödet die Brust,
Es birgt auch in Rosen nur Herbe,
Weil Dauer überall fehlt,
Doch Du bist mein ewiges Erbe:
Ich weiß, Wen ich mir mir erwählt.
Der Graf hatte laut gelesen und der Doktor, ganz versunken in seine vorgefasste
Meinung, hatte aufmerksam zugehört.
    »Was sagen Sie nun, Herr Graf?« rief er selbstzufrieden; »ist das nicht klar
genug? Dies ewig wache, angebetete Wesen, das in einer anderen Sphäre weilt, ist
eben der Geliebte, der unerreichbare - nur etwas mystisch ausgedrückt.«
    »Sehr mystisch,« antwortete der Graf lakonisch.
    »Lesen Sie nur gefälligst weiter; es wird deutlicher im zweiten Gedicht.«
    »O Gott!« seufzte der Graf, »jetzt lese ich sogar Gedichte, meine Horreur!
.... Alles für meine Kinder! Ich bin wirklich ein halber Martyrer.« Er las:
                                Seliges Genügen.
Der Abend sinkt, zur Ruhe geht die Erde,
Es bricht die Nacht mit kaltem Schauer an,
In Asche stirbt die Flamme auf dem Herde,
Zur Heimatshütte eilt der Wandersmann.
Unheimlich starrt das Reich der Finsternisse,
Wo weilt die Sonne? wo das gold'ne Licht? - -
»O frag' nicht mich, ob ich das Licht vermisse,
Ich habe Ihn - ich brauch' die Sonne nicht!«
Das Leben sinkt! es fliehen Tag' und Jahre
Die Wolkenzüge über Himmels Blau.
Wo Jugend blühte - steht die Totenbahre,
Wo
