 Fenster ...
Hinaus blickst du durch die beschlagenen Scheiben ... Nichts, als öde
gespenstische Nacht vor deinem Auge - und doch empfängt dich Jubel und Lust ...
Seltsames Bild ... Auf einen Stab gestützt, am Rand des Erdwalls, starrt ein
Schäfer im zottigen Lammfell auf den haltenden Zug ... Ein Wanderhirt, der aus
Ungarn kommt und weiter zieht mit seiner nächtlich rastenden Heerde ... Die
österreichische Geschichte ... Einsame Nachtträume der Völker, still am Weg sich
sehnend nach Erfüllung ... Unter lachender Lust und Freude ...
    Am Donaustrand - auch da wispert es ebenso - leise und leise - um die alten
Ritterburgen ... Klagelaute um versunkene Banner und Kronen ... Was liegt nicht
begraben im feuchten Schoose der Donau! ... Was könnte sich nicht melden zur
Auferstehung unter dem nächtlichen Sternenhimmel, wenn ringsum auf den düstern
Bergwänden die Geisterjungfrauen geheimnisvoll ihre Harfen zu schlagen beginnen!
...
    Von Tyrol und Salzburg her, aus den sagenhaften Schluchten des Untersbergs
und von den echoreichen grünen Bergseen Steiermark erschallt die Zither ...
    Die Zither, dies liebliche Instrument, könnte Sancta-Cäcilia statt der Orgel
erfunden haben ...
    Du kennst es nur aus dem lampendunstigen und cigarrendurchqualmten Keller
der leipziger Messe, kennst es nur aus dem Konzert aufgeputzter Jodeltyroler ...
Aber auch da wird die Zither dich gerührt haben - so, dass du den Genius
Oesterreichs hättest fragen mögen:
                Was lachst du so traurig, was weinst du so froh?
    Wenn so rührend die bebende Saite unter kraftvollem Finger ihre Schwingungen
austönt ... Wenn der Ton, immer gebrochen, immer in der Geburt des Halls schon
halberstorben und doch, neugefasst vom kunstgeübten Finger, neubelebt,
Riesenfermaten aus lauter kleinen zitternden Tremolos hält ... Wenn der Ton sich
festklammert, gleich einem Knaben, der nicht ruht den höchsten Ast eines
Blütenbaums zu erklettern ... Auf der höchsten Höhe, in die uns die Töne der
Alpenziter schwingen können, welch ein Blick dann auf die Täler der Erde! ...
Deine Jugend siehst du, siehst den grünen Plan deiner Kindheit, atmest im
Herzen auch die reinste Alpenluft ... Selbst unter dem »Soll und Haben« und dem
Strumpf- und langen und kurzen Waarenhandel der leipziger Messe in Auerbach's
Keller konntest du die Tränen nicht zurückhalten, wenn das berühmte
Tyrolerquartett - nur nicht singt! Das schenke ihm die Muse! - nur die Zither
schlägt ... Die Spielerin sammelt mit dem Notenblatt ... Im koketten Brustlatz,
mit dem spitzen Hut ein unschönes Mannweib ... Aber - sie spielte dir - und sich
auf der Zither - Österreich ...
