 ihm aufs neue ... Ewig sie sein Schatten!
... Auf Schloss Münnichhof, unter dem Schütze einer Frau von Sicking, wagte sie
zu erscheinen ... Nichts fürchtete sie von Klingsohr, nichts von allem, was
Bonaventura über ihr Leben aus ihrer unvergesslichen Beichte wusste ... Es
durchbebte ihn, gedachte er dieser Fessel seines ganzen Lebens ... Das war sie
und das blieb sie und - zum Hasse, zum glühenden Hasse Lucindens konnte er sich
nicht einmal erheben ... Nur fliehen musste er sie ... Wer weiß, ob sie nicht
rücksichtslos auf Schloss Westerhof erschien, Paula sich vorstellte und die
Schmerzen, die sonst die Leidende in ihrer Nähe fühlte, erneuerte ... Wie er im
verschlossenen Wagen seines Stiefvaters dahinfuhr zur Ebene nieder, da war es
ihm doch, als müsste Lucinde ihm nachfliegen, umschwärmt von Raben, mit einem
Zauberstab auf die Brandstätte deutend als den Anfang all des Unheils, das sie
ihm vorausgesagt hatte ...
    Indessen - auf den Feldern lag ein so milder Sonnenschein ... Der Frühling
fing an sich so mächtig zu regen ... Die Wälder in der Ferne hatten in einer
Nacht einen Schein bekommen, als trieben die Bäume schon ihre verjüngenden Säfte
... Heller, hoher Mittag war es ... In der Ebene musste er den Schlag öffnen, um
ganz die Sonne hereinzulassen ...
    Und wenn es ihm allmählich wurde, als müsste schon die Lerche seines
Frühlingsliedes steigen, so war es, weil sich zuletzt doch siegreich nur noch
allein Paula's Bild in milder Anmut auf sein inneres Auge senkte ... Das
Gewitter in ihm verrollte ... Nur noch einzelne Schläge, nur noch das Zucken
seines Auges vor einem letzten Leuchten des Blitzes - dann zogen die drohenden
Geister der Luft immer ferner dahin ... Auch der innere Himmel blaute wieder und
all sein Leben ruhte im Blick hinüber auf Westerhof ...
    Dennoch, dennoch klagten die innern Melodieen:
Muss ich es ewig sehen! In deine Locken
Flicht doch dereinst den Kranz die fremde Hand!
Der Myrte silberweisse Blütenflocken -
Doch schimmern sie dir einst aus fernem Land!
Unsterblich Loos, an Sterbliche gegeben,
Dich zu umfangen für ein ganzes Leben!
O lächle nicht zu hold! Du kannst nicht wissen,
Wie Lächeln wird zu Hoffnungdämmerschein!
Wie sich das Licht entringt den Finsternissen
Und hüllt die Welt in Rosenwolken ein!
Du ahnst es nicht, wie deinem Zauberworte
Zu sel'gen Träumen sich erschliesst die Pforte!
Es kann nicht sein! Es soll nur still verhallen!
Wie Zephyrhauch am holden Frühlingstag!
Wie in dem Strom die stillen Tropfen wallen!
Nur wie die Knospe bricht im Rosenhag!
