, erschöpft auf einen Stuhl zum Kaffeetrinken niedersinkt und
lispelt: »Puh! Hab ich mich abgequält, aber gottlob, nun ist's auch mal wieder
rein!«
    Ja, rein ist's! Verschwunden ist der Schnee, der zuletzt doch gar zu grau
und unansehnlich geworden war; viel missmutige, verdrossene Gesichter haben sich
aufgehellt, und - die kleine Leiche von oben ist fort. Die alte Großmutter
Karsten hat auch ihr nachgeblickt; sie hat die arme Mutter auf die Stirn geküsst,
als man den Sarg hinabtrug, und hat, gleichsam als wundere sie sich über etwas,
lange das Haupt geschüttelt. Wer weiß, wieviel jüngere Leben sie noch
dahinschwinden sieht!
    Ich habe diese Blätter, glaub ich, einmal ein Traumbuch genannt - wahrlich,
sie sind es auch.
    Wie Schatten ziehen die Bilder bald hell und sonnig, bald finster und
traurig vorüber. Jetzt ist der dunkle Grund, aus dem sie sich ablösen, ganz
bedeckt von Leben und Jubel; jetzt taucht wieder die unheimliche finstere Folie
auf. Die Freude verstummt, der Jubel verhallt, es ist tote Nacht allenthalben,
die nur dann und wann ein Klagelaut unterbricht. Sei die Nacht aber auch noch so
dunkel, ein Stern funkelt stets hinein: Elise! - Ich brauche nur in meine alte
Mappen und Erinnerungsbücher mich zu versenken, und die Gespenster entfliehen,
die Nebel sinken, und es wird wieder fröhlicher Tag in mir.
                                     Elise!
Die Knospe, die hundert duftige Blumenblätter in ihrer grünen Hülle einschloss,
entfaltet sich wie ein süßes, liebliches Geheimnis. Noch ein warmer Kuss der
Sonne, und die Zentifolie, den reinen Tautropfen der Jugend und der Unschuld im
Busen, ist die schönste der Erdenblüten.
    Ich glaube an keine Offenbarung als an die, welche wir im Auge des geliebten
Wesens lesen; sie allein ist wahr, sie allein ist untrüglich; in dem Auge der
Liebe allein schauen wir Gott »von Angesicht zu Angesicht«. Die Zunge ist
schwach und des Menschen Sprache unvollkommen; die Schrift ist noch schwächer
und unvollkommener, und ein Blatt Papier zum Urquell der Erkenntnis des ewigen
Geistes machen zu wollen ist ein arm töricht Beginnen. Ich drücke die Augen zu,
und - sie ist vor mir mit ihrem süßen Lächeln, sie schlägt sie auf, diese großen
blauen Augen, in denen ich Trost suche und finde. Elise, Elise, nun bist du ein
großes, schönes Mädchen geworden, und das Bild dort, welches, dein toter Vater
von deiner toten Mutter malte, gleicht einem Spiegel, wenn du so sinnend davor
stehst und so süsstraurig lächelnd zu ihm emporblickst. Die wilden Spiele, die
tollen Streiche in dem Hause und auf der Gasse sind vorüber (wenn auch noch
nicht
