Was sinnst Du? Bei Dir hat die Romantik noch nicht einmal ganz
durchgeschlagen, während ich sie abschüttele. Du weißt den Zerbino auswendig,
und ich wette, Du schwärmst wieder für den Kieferbusch drüben auf dem
Sandhügel.«
    »Und warum nicht? Tieck hat Unrecht, wenn er die Lust schilt, die sich auch
aus dem Unbedeutenden Nahrung sucht. Gerade das führt uns zur Vaterlandsliebe,
die Du suchst. Aber was führt Dich zurück?«
    »Der Anblick einiger Herren von der Gensd'armerie, die mein scharfes Auge
vom Gaule aus in der Ferne entdeckte. Um nicht ihnen zu begegnen, stieg ich ab,
und will mich durch einen Fußsteig schlängeln. Auch auf die Gefahr hin, dass der
Bauer uns pfändet. Nun, bewunderst Du nicht meine Vernunft?«
    »Wenn ich nicht wüsste, dass Du bei nächster Gelegenheit doch wieder mit
ihnen zusammenstössest.«
    »Das ist mein Fatum. Konnte Mercutio für seine Natur?«
    »Wenigstens spielt wieder Humor auf Deiner Stirn.«
    »Und in Deinen Augen glänzt ein Gedicht.«
    »Ich habe das Versmachen verschworen. Du weißt es.«
    »Aber, Walter, in solcher Natur! Ich müsste Dich ja nicht kennen. Ein tiefer
See mit romantischen Ufern! Vielleicht kommen die Schwanenjungfrauen angeflogen,
entkleiden sich, ihre Schleier hängen sie an die Hagebutten. Husch hast Du einen
weggestohlen, und erwartest als frommer Siedler im Korn die Schöne, die als
mediceische Venus um Gottes Willen um ein Stückchen Bekleidung bittet.«
    »Wir irrrten darin, das wir das Wunderbare immer in der Ferne suchten:
Willst Du immer weiter schweifen,
Sieh' das Gute liegt so nah!
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.«
    »Wie schon Goethes anderer guter Mann, der nach Schätzen gräbt:
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet.«
    »Wer den Sinn für sie mitbringt, dem schwebt ihr Geist entgegen auch vom
Tautropfen, der am Grashalm hängt, er wiegt sich in den Ähren, über die der
Wind hinspielt.«
    »Er glitzert auch im Mistkäfer, warum gähnt er nicht auch in dem Frosch, der
da unvernünftig weit über der Mummel das Maul aufsperrt. Sieh ihn an, welche
tiefe Weisheitssprüche die Padde krächzt. - Und welche Weisheit bläht sich eben
auf Deiner Brust. Es muss heraus, ich sehe es, und Du brauchst einen Zuhörer.
Frisch losgelegt! Gleichviel, ob die Naturandacht als Predigt oder als Rhapsodie
rausbricht. Die Gensd'armen sind noch im weiten Felde. Heraus denn, ein
verschluckter Gedanke ist Gift.«
    Walter van Asten schien wirklich nur der Aufforderung zu bedürfen, den
Gedankenstrom, der in ihm arbeitete, auszugiessen:
