 die Sonne ist, welche die Nebel niederschlägt, wo im Dunkeln
kriechen und wachsen kann, was dem finsteren Gemüt entwächst, was die Welt
ablagert in das finstere Gemüte. Man denke sich doch, wie es werden muss, wenn
die Gedanken, welche dem Leibe entstammen, die Empfindungen, welche Hass und Neid
gebären, die Sorgen, welche das Gefühl der eigenen Ohnmacht emportreibt, die
Kümmernisse ums tägliche Brot und des äußeren Daseins Bestand alle bleiben,
kriechen und schleichen durchs Gemüte, wie es da frostig und finster und
unheimlich werden, was da für ein Leben sich gestalten muss, wenn des Herren Wort
die Empfindungen nicht läutert, Kümmernis nicht verscheucht, die Gedanken und
das Trachten nicht nach oben zieht, wenn es immer und immer nur tönet: Was
werden wir essen, womit werden wir uns kleiden, wie kann ich meinen Bruder
übervorteilen im Handel, wie kann ich mich rächen, mich erhöhen, ihn
erniedrigen? Eine unerhörte Verkümmerung der Gemüter wird täglich sichtbarer,
die Bande der Liebe und der Verwandtschaft faulen und lösen sich, das Hohe und
Edle bleibt unbegriffen, ungesucht. Begeisterung wird lächerlich, Selbstsucht
zur Sittlichkeit, und woher wohl das? Weil die Sonne fehlt, die den Nebel
niederschlägt, weil das Wort fehlt, welches die Seelen speiset, die Liebe
zeuget, zum Himmel zieht.
    Diesen Wandel bei Uli fühlte niemand schmerzlicher als Vreneli. Es tat ihm
vor allem weh, dass die Sonntagsruhe von der Glungge wich, das Getümmel der
Arbeitstage nicht verstummte, das rechte Feierkleid, so glänzend rein und schön
Haus und Hof nie mehr so recht angezogen wurde. Wie Uli auch trieb und selbst
zuweilen Hand anlegte, so recht aufgeräumt wurde nicht mehr, Zeit und Hände
fehlten; Zeit und Hände mussten immer mehr da verwendet werden, wo ihr Tun was
eintrug. Aber mehr noch grämte sich Vreneli wegen der Verdunklung von Ulis
Gemüt. Seine Gedanken waren bloß auf Gewinn und Gewerb gerichtet. Sinn für was
anderes zeigte sich immer weniger, immer weniger konnte Vreneli ein hoher,
besser Wort mit ihm reden, auf der Stelle war er bei Haushaltungssachen und dem,
was in Mein und Dein einschlug. Er hatte selten Zeit mehr, das liebliche Mädchen
auf den Knieen zu schaukeln oder auf den Armen ums Haus zu tragen, und machte
ein ärgerliches Gesicht, wenn zuweilen sich jemand mit ihm versäumen musste, was
doch bei einem so jungen Kinde nicht anders möglich war. Ja manchmal schien es
Vreneli, als sei Uli bereits auf dem Punkte angekommen, wo man nicht mehr frägt:
Was ist recht vor Gott und macht das Herz nicht schwer, wenn es noch heute
gestorben sein muss?, sondern: Wie komme ich am weitesten und was trägt mir am
meisten ein
