 sehr gern
über dich sprechen würde, daran zweifle ich keineswegs, allein da hat er seine
Mühe verloren, wenn er einen ganzen Milchkübel von Sentimenten aus mir melken
will - und bin ich nicht ungerecht, wenn ich des Teufels über ihn werde: da ich
doch grade so mit Savigny stehe, von dem ich wieder nichts losbringen kann,
darüber nur folgende Worte: ich gehe nun schon lange mit Savigny um und ringe
vergebens gegen seine Verschlossenheit, die mir zwar nichts verbirgt, weil ich
durch lange Übung eine Sprache an ihm erfunden habe, die er nicht spricht,
sondern die sich selbst spricht. Ich empfinde diese Verschlossenheit jetzt mehr
als sonst, weil ich fauler geworden bin zu buchstabieren. Seine Äußerung über
meine Bitte hierum war die, dass ich alles um mich herum eher verschließen als
eröffnen könne; dies befremdete mich nicht, weil mir es schon mehrmals geäußert
wurde. Da ich nun keinen einzigen Menschen sehe als ihn und unser gegenseitiges
Verstummen etwas Peinliches hat, solang es mit dem Lusten zum Sprechen kämpft,
so will ich diesen Lusten, der von ihm in gleichem Masse erwidert werden dürfte,
nach und nach aufheben. - Ich habe nun nichts mehr in der Welt, wovon ich gern
rede als von Dir, und habe weiter auch niemand, mit dem ich's könnte. Savigny
verstummt dann ganz, wenn ich von Dir rede, ist es eingeborne Antipathie gegen
Dich oder gegen meine Art zu sprechen. - Wenn Dich's interessiert, so lege Dir's
selber aus.
    Ach, ich sehe immer nach Deinem Bilde hin und bin unendlich einsam, da hab
ich gestern zwei Lieder geschrieben für Dich.
Wie sich auch die Zeit will wenden, enden
Will sich nimmer doch die Ferne,
Freude mag der Mai mir spenden, senden
Möcht dir alles gerne, weil ich Freude nur erlerne,
Wenn du mit gefaltnen Händen
Freudig hebst der Augen Sterne.
Alle Blumen mich nicht grüßen, süßen
Gruß nehm ich von deinem Munde.
Was nicht blühet dir zu Füßen, büßen
Muss es bald zur Stunde, eher ich auch nicht gesunde,
Bis du mir mit frohen Küssen
Bringest meines Frühlings Kunde.
Wenn die Abendlüfte wehen, sehen
Mich die lieben Vöglein kleine
Traurig an der Linde stehen, spähen,
Wen ich wohl so ernstlich meine, dass ich helle Tränen weine,
Wollen auch nicht schlafen gehen,
Denn sonst wär ich ganz alleine.
Vöglein, euch mag's nicht gelingen, klingen
Darf es nur von ihrem Sange,
Wie des Maies Wonneschlingen, fingen
Alles ein in neuem Zwange; aber dass ich dein verlange
Und du mein, musst du auch singen,
Ach, das ist schon ewig lange.
Am Berge hoch in Lüften,
Da baute er
