 überraschen vom Schauder über das
Gewöhnliche, was die ganze Welt zum Narrenhaus umwandelt. O, Ihr Bienen alle,
die Ihr mich umsummt habt im Klostergarten. Ihr Nelken- und Lavendelbeete, die
Ihr mich gedeckt habt mit Euren Düften.
    Ach, es ist Winter in mir, und der Schnee der Weisheit deckt die Erde. O
Erde, lass den Frühling wieder treiben, halte den Atem nicht länger an, hauch
deinen süßen Duft aus, er genügt mir statt Paradiesesfreuden. Willst Du deine
Gräser herauslassen und deinen Bächen freien Lauf, Erde, dann küss' ich dich und
schenke dir meine Seele.
    Das heißt, das Unterhandlen mit dem Himmel bin ich ganz müde. Das heißt
wieder: alles ist zwar in Richtigkeit und an der Tafel angekreidet. Ach käm nur
einer und löschte mit dem Schwamm das ganze Fazit aus, dann wär noch Hoffnung,
dass die Natur im Menschen wieder aufwachte.
                                                         Deine Schwester Bettine
                                  Liebes Kind!
Ich fühle mich in eine ganz wunderliche Lage hineingeschoben durch Deine
ausgreifenden und wieder tief im Lebensschacht herumwühlenden Mitteilungen. Oft
ist mir, als stehe ich auf einem vulkanischen Boden, wo die verwitterte Lava von
der schaffenden Natur üppig begrünt hervorbricht in Flammen und verzehrt es
wieder. Und hier und da liegen Brandstätten unter dem ewig blauen Himmel. Was
nützt mein guter Wille, meine Stimme, mein Wort. Wie könnte das diesen Boden
erschüttern, in dem ein innerliches Wirken verborgne Wege schleicht und dann
jeder Gewalt unerreichbar plötzlich das begonnene Gepflegte zerstörend
aufflammt. - Weißt Du, was Du sprichst? - Nein! Denn ich kann Dir den Mut nicht
zutrauen, Dich Nationen und Jahrtausenden gegenüberzustellen und denen Hohn zu
sprechen. Das tust Du aber, blind wie Du bist, springst Du über Abgründe, und
immer glücklich fühlst Du den Boden unter Deinen Füßen. Man sagt, der Blitz
erschlage keinen Schlafenden, drum soll man während dem Gewitter keinen
Schlafenden stören. Ich frage mich, ob Du schläfst, ob Du träumst, und dann mein
ich, das Gewitter bist Du selber; es rollen Ideen donnernd in Deinem Geist, die
aneinander zerschmettern; und vor meinen Augen sinkt in die tiefste Spalte, die
plötzlich gähnt, was eben noch meine Hoffnung war, was ich mit demselben süßen
Willen hütete, wie Du Deine Blumen und Kräuter. Deine unverständlichen Aufsätze,
wie Du sagst, seien die glühende sinkende Asche und ausfahrenden Funken von dem
Herd, auf dem der erwachende Geist sich seiner Unverständlichkeit entbindet.
Einmal will ich mich vor Dir aussprechen darüber, sollte ich mich irren, so sage
mir es. Ich war bis jetzt noch immer so sehr der einzige Gesichtspunkt, nach dem
Du mit inniger Begierde hinsahst, in dem das meiste um Dich her nicht das
