 verliebe
ich mich einmal wirklich, so werd ich Dich nicht zum Vertrauten machen, aus
Furcht, dass es Dir missfallen könnte. Hier im Schlangenbad hab ich mit dem Herzog
von Gota viel zu kämpfen, der mir alle Tage von Sophie spricht, er nennt sie
seine Erate und gibt mir beiliegenden Streckvers für sie. Ihr werdet es in der
Überfülle Eures Glückes nicht achten! - Warum hat er's auch gereimt und geleimt?
Was man in der Prosa zu sagen sich gedrungen fühlt, geht tiefer. -
    Ich schwelge hier, es gefällt mir alles; am liebsten ist mir der Morgen, wo
man nur Bauern begegnet, und der Abend, wo die Lichter in den Hüttchen brennen,
man sieht da das ganze Familienleben hellerleuchtet. - Da geh ich oft abends
spät noch mit dem Vogt hinab den Talweg, und da durch ein kleines Fensterchen
sehe ich die armen Leute sitzen und emsig spinnen und wirken, so fern von allem
Bedürfnis im Reichtum des Fleißes, der Andacht und des Vertrauens! Eine so
kleine Stube deucht mir so voll von dem Gefühl ihres innern Wertes dieser
Menschen, die ihr schwer errungenes Abendbrot gerne teilen mit dem ärmeren Gast.
- Wenn ich mir nun denke, dass Ihr beide ein solches Haus bewohntet, und dass Euch
da die Einsamkeit nicht drücken sollte, und Ihr backtet da Euer Ambrosiabrot, um
es andern mitzuteilen, so habe ich Euer Glück begriffen und schreibe davon der
Günderode. Die Günderode mit der sanften Würde ihres dichterischen Standpunktes
unter den Menschen schreibt wieder wie folgt: »Wer liebt den Klemens nicht? So
wie er einem entgegentritt; wer durchschaut alle Menschen, wer geht so tief in
dem Auffinden ihrer Innerlichkeit, und was könnte man ihm sagen, was er nicht
schärfer und wahrer aufgefasst hätte? Alle Menschen berührt kaum sein Hauch, und
sie atmen, als wenn sie aufblühen wollten in edlere Begriffe und schönere
Handlungen.« - So schreibt die Günderode; das lautet ganz schön zum Ansatz eines
Posaunenstückes Deines Ruhmes, der aus dem Nebel der Zeit golden aufsteigen und
einen schönen Tag verbreiten werde. »Aber«, fährt die Günderode fort: »so scharf
dieser Klemens und so nahe er fremden Menschen in ihrem eignen Bewusstsein tritt,
so sehr heben ihn seine Launen aus dem Sattel über sich selbst, die ihm den
Begriff seines Amtsgeschäftes ganz verdüstern, und ich kann es gar nicht leiden,
wenn er davon so klein und unbürgerlich denkt. - Wie dieser Dekrete ausfertigt
und jener auf den Rednerstuhl tritt, so ist der Klemens dazu bestimmt durch sein
Leben, das sich in die Begeisterung des Witzes, der Philosophie, des Eifers und
der Experimentenlust verzweigt, die Menschen zu wecken und in der dunklen Kammer
eine Kerze anzuzünden,
