 Geist, bis man sie mit dem Reim totschlägt und in den
Busen eines Freundes einsargt, damit sie doch da anständig begraben sein mögen!
- Deiner Treue von jeher hab ich diese Spur heiterer und beglückender Stunden
nun ganz unbefangen hingegeben; keinem andern Menschen könnt ich das. O wie sehr
fühl ich in diesem Augenblick, was Du mir bist! - Ach lasse darum diese Gedichte
einen Wert für Dich haben, weil Du der Lebensbaum bist, der in seine frische
Rinde sie von der Bruderhand sich eingraben lässt; lasse es mit Dir verwachsen
das Gefühl, dass glückliche Zeiten auch mich begrüßten, und wenn böse Zeiten
kommen, so lasse mich in Deines Herzens Schrein die Schätze der Erinnerung
finden. In dieser Empfindung einer stillen Nacht, wo ich die Schätze der
Freundschaft und Treue, die nur in geliebten Menschen aufbewahrt sind,
überzählte, hab ich auch nachfolgendes Gedicht an Dich gemacht:
Lass Dich, mein Kind, den Tadel nicht verführen,
Vertrau, wenn Du ihn hast, dem guten Sinn
Und sprich: Nur weil ich nicht unsterblich bin,
Will die Versöhnung liebend mir gebühren.
Denn Gottes Hand, sie kann uns plötzlich rühren,
Und stürb der Freund mir unversöhnet hin,
So würde scharfer Tadel den Gewinn,
Dass Liebe ich gegeben, mir entführen.
Bis dahin suche Trost in dem Sprichworte,
Dass Rom nicht ist in einem Tag gebaut,
Dass alle alles auch zugleich nicht können,
Dass vor dem Morgen erst der Himmel grauet,
Dass trunken bunt Aurora pflegt zu brennen,
Bevor der Gott tritt aus der Sonnenpforte.
Schreib, befriedige uns, beglücke und pflege unser Glück, ersehnt, verlangt von
Deinem treuen Bruder
                                                                         Klemens
Schmerzlich ist's mir immer, wenn Du Deiner Klostertage erwähnst und nie Dich
bemühen magst, sie ein bisschen zu ordnen, da Du selbst noch Material dazu hast!
- Wär's denn nicht höchst intressant, einen kleinen Katechismus Deiner
religiösen Begriffe zu geben?
 
                                   An Klemens
Endlich komme ich dazu, laut zu sagen, was ich heimlich oft dachte. Du siehst im
Zauberspiegel die Bettine, wie sie sein könnte, aber nicht ist! -
    Ich staune an, was Du von mir glaubst und erwartest, ich wundre mich und
begreife nicht, vor was und wem Du mich warnst! - Die Günderode schreibt, Du
habest Dir die Aufgabe gemacht, mich durch eine Wiedergeburt Deines Geistes als
Ideal zu bilden. - Ach, ich bin recht erschrocken davor! - Und möchte mich vor
Dir verbergen, dass Du ja nicht dazu kommest! - Du bittest mich, mich nicht zu
verlieben; ach, Klemens, wenn Du mich nicht idealisieren willst, dann will ich
Dir das gern versprechen! Mein Herz ist nicht leicht bestechlich, und
