 da
sitze ich und hab ein Hütchen auf.
    Du bist es, Du liebes Mädchen, die diesen Brief erhält. Du bist mein
einziger Freund; auch bin ich bald wieder bei Dir. Meine Liebe hier ist
geendigt, nein, Dir geopfert, hier hast Du noch ein Lied, schreib mir nicht
hierher, ich bin früher wieder bei Dir. Mein Herz sehnt sich wieder nach Deiner
reinen, tiefen Seele, o Du Engel, Du bleibst mir ewig. Hier hast Du ein Lied,
das ich niederschrieb, als ich Benediktchen gesehen hatte, ich hatte es
eigentlich geschrieben, als ich an Dich dachte. Doch zuerst einige Worte über
einliegende Zeilen von Ritter, die er mir ohne eine Zeile an mich so schickte.
Ich weiß nicht, was er damit sagen will, finde sie auch sehr unver- ständlich,
und Du sollst ihm also nichts drauf antworten und sie so lange für einen Wisch
halten, bis etwas Gescheiteres oder nichts erscheint, und damit gut.
Am Rheine schweb ich her und hin
Und such den Frühling auf,
So schwer mein Herz, so leicht mein Sinn,
Wer wiegt sie beide auf.
Die Berge drängen sich heran
Und lauschen meinem Sang,
Sirenen schwimmen um den Kahn,
Mir folgt Echoklang.
O halle nicht, du Widerhall,
O Berge, kehrt zurück,
Gefangen liegt so eng und bang
Im Herzen Liebesglück.
Sirenen, tauchet in die Flut,
Mich fängt nicht Lust, nicht Spiel,
Aus Wassers Kühle trink ich Glut
Und ringe heiß zum Ziel.
O wähnend Lieben, Liebeswahn,
Allmächtiger Magnet,
Verstosse nicht des Sängers Kahn,
Der stets nach Süden geht.
O Liebesziel, so nah, so fern,
Ich hole dich noch ein,
Die Frommen führt der Morgenstern
All zu der Liebe ein.
O Kind der Lieb, erlöse mich,
Gib meine Freude los,
Süss Blümlein, ich erkenne dich,
Du blühest mir mein Los.
In Frühlingsauen sah mein Traum
Dich Glockenblümlein stehen,
Vom blauen Kelch zum goldnen Saum
Hab ich zu viel gesehen.
Du blauer Liebeskelch, in dich
Sank all mein Frühling hin,
Vergifte mich, umdüfte mich,
Weil ich dein eigen bin.
Und schließt du den Kelch mir zu,
Wie Blumen abends tun,
So lasse mich die letzte Ruh
Zu deinen Füßen ruhen.
Adieu, lieb Kind, auf Wiedersehen.
                                                                         Klemens
                                 Liebe Bettine!
Ich habe zu viel die ganze Zeit an Dich gedacht, und mein Gemüt saß zu gleicher
Zeit zu sehr wie auf einer Schaukel, als dass ich Dir hätte schreiben können,
auch hab ich täglich abreisen wollen, aber es hat sich mir Abenteuer an
Abenteuer gereiht, und ich bin mit allerlei künstlichen Spinnweben umflochten
worden, die ich im Anfang leicht
