 so gewollt, - es würde mir allen Farbenschmelz und
Heiligenschein konsumieren, dies Soll oder Muss. Die Rosen - sie glänzen im
Abendschein, sie locken mich, sie zu umfassen, sie zu küssen. Ich bin ganz bei
ihnen, wenn wir abends im Mondenschein allein zusammen plaudern, und fühle mich
nicht allein mit den Blumen wie oft mit Menschen. Und wenn es Deine eignen Ideen
sind, Klemens, die Dich wieder lieben, wie Du mir schreibst, so sind die Blumen
wohl die Liebesgedanken der Natur, von denen sie auch wieder geliebt wird.
Liebesgedanken sind sie. - Die Rosenknospe ist's, sie wirft in ihrer
Verschränkteit glühende Blicke in das Auge, das sich in ihrem Anschauen
verliert. Wenn sie nachher dem Tag sich erschliesst, dann ist sie nicht mehr so,
sie lacht dann jedem Vorübergehenden und wird die Blume des Tages, an der alle
gleichen Anteil zu haben meinen. Drum als ich gestern von meinem knospenreichen
Rosenstock ein Paar davon abbrach zum Ballsträusschen, das tat ich ungern, so
jung von ihrem nährenden Stamm sie zu trennen, die so an der Grenze ihrer
Jungfrauenzeit aus ihrem grünen Kinderjoppelchen recht neugierig herausguckten,
aber ich dachte: ach, morgen habt ihr ja doch das grüne Jäckchen abgeworfen und
seht die Tage euerer Kindheit für nichts an. - »Und Du! - Für was siehst Du sie
an, Deine Kinderzeit, dass Du so reden darfst?« - sagen die Rosen wieder. - Ach
Rosen! - Vorwürfe von euch! - Da ich doch meine Zeit mit euch vertändle. Aus der
Natur süssestem Gefühlsschmelz ihr selber hervorgegangen! - Seid ihr Blumen nicht
der Liebesdrang, der Venusgürtel der Natur? - Ihrer Lippen würzigen Atem hauchen
die Blumen in reizenden neckenden Antworten allen Liebesanträgen aller Wesen in
ihr. Und die Rosen, sie sind die Antwort, die im Necken schon sich in einen Kuss
verwandelt und ohne Widerstand durch ihre eig'ne Schönheit Zeugnis gibt: »Die
Liebe hat die Natur besiegt.« -
    Es war mir so wehmütig, gestern Abend mit meinen Rosen allein, und bin
ungern von ihnen geschieden, um schlafen zu gehen, und hab mich noch recht in
ihr weiches junges Grün hineingeschmiegt zum Abschied! - Und hab so wunderliche
Träume gehabt in der Nacht. - Sonnenstrahlen, die scharf und rein durch dichtes
Gewölk auf mich trafen, und da war alles in üppiger Blüte um mich her und atmete
kaum vor Schwüle, und ich stand da allein unter diesen Blüten allen, mit offener
Lippe nach einem Tropfen Labung. - Ach, heißer Tag, du drückst die Blumen! - so
dacht ich dort. Es tat mir so leid, dass ich nicht den Regen ihnen aus dem Gewölk
niederschütteln konnte
