 gebessert, und die Mutter hätte noch manchmal auf ihns
gehört, aber dem Vater, dem sei es nie recht gewesen, bis jetzt, wo er mit ihm
einen Handel machen könne. Er sei schon böse über ihns geworden, ehe es auf der
Welt gewesen, und dessen, dass es darauf gekommen, vermöge es sich doch nichts.
    Wie doch so ein Tag verrinnt und was das für ein Unterschied ist zwischen so
einem Tage, wo man zum ersten Male mit seinem Lieben ungestört unter vier Augen
sitzt, und zwischen einer langen Krankennacht, wo man alleine mit seinem Schmerz
auf seinem Lager liegt! Wie langsam die Zeit dahinrinnt, jede Sekunde, wie ein
langsamer Bluts, tropfe vom Körper langsam tropft, von der Uhr weg ins Meer der
abgelaufenen Sekunden, und in endlose Weiten die Stunden sich dehnen, Sandwüsten
gleich, wo kein Schatten ist, keine Ruhe, nichts als schwere Pein und unendliche
Weiten! Und wenn es endlich Mitternacht schlägt, eine Ewigkeit vergangen
scheint, aber unsere Pein nicht abnimmt, denn eine neue Ewigkeit reiht sich an
die vergangene Ewigkeit, schwarze trostlose Stunden sind es, die wiederum vor
uns liegen, ohne Schatten, ohne Ruhe, sechzigmal sechzig Sekunden müssen langsam
abtropfen, ehe eine vorüber ist, und manche muss vorübergehen, ehe ein junger
Morgen scheint, und über was denn eigentlich, über unsere alte Pein. Aber was
die Sonne bescheinet, das wird erträglicher, milder, lieblicher, selbst der
Menschen Pein.
    Wie aber die Zeit von dannen rennt, Stunden schwinden, aus dem Morgen Abend
wird, wo in Liebe zwei Herzen offen liegen, die Liebe Liebe in den Augen liest,
die Ohren voll süßer Töne sind, und ungehemmt der Liebe Rede über die Zunge
quillt! Wohl redet die Liebe verschieden, redet in herrlichen Worten, die dem
Hauche der Geister gleichen, nicht eigentliche Worte sind, nicht Leib haben,
sondern fast klingen wie Kinderlispeln oder unaussprechliches Seufzen; aber sie
redet auch recht derbe, zieht ein raues Kleid an, wirft Worte aus, die
Feldsteinen gleichen oder gar Felsenstücken, wie aus dem Schoße des
feuerspeienden Berges auch allerlei kommt, eine glühende Feuersäule, schwarzer
Rauch, schwere Steine, flüssige Lava, und doch der gleiche Schoss es ist, der sie
gebiert, die gleiche Kraft, die sie auswirft.
    So war es Resli und Anne Mareili Abend geworden, sie wussten nicht wie, und
Anne Mareili begann zu pressieren und Resli es zu verweilen, bis es endlich doch
sein musste. Scheiden und Meiden tut weh, heissts, das erfuhren sie, und besonders
dann, wenn man voraus weiß, dass das nächste Treffen ein schweres ist und dessen
Ausgang möglicherweise ein unglücklicher. Gerne hätte Resli sein Meitschi
begleitet
