 nur schriftlich ihre trauernde Begrüßung
ab, und Bracciano war bei einem kurzen Besuche so erschüttert, dass er sich bald
wieder entfernen musste, und Vittoria keine Beruhigung von ihm empfangen konnte.
    Diese war endlich durch das Übermaß der vielen, sie bestürmenden Gefühle,
völlig aufgelöst. Ihre Nächte waren schlaflos, die Nahrung stärkte und erquickte
sie nicht, und so, nach einem kurzen Fieberzustande sank sie in eine stumpfe
Bewusstlosigkeit. Sie war nicht mehr fähig, ihr Schicksal zu überdenken, sich
aller Umstände zu erinnern, die sie so nach und nach in diese abscheuliche Lage
geworfen hatten. Diese gewaltsame Wendung ihres Lebens hatte sie so plötzlich
überrascht, dass sie noch keines freien Entschlusses fähig war. Ihr Gemüt, das
sie für so reich gehalten hatte, schien ihr nun völlig verarmt: sie sah mit
Entsetzen in diese innere Leere, und begriff nicht, wohin alle diese Kräfte
entschwunden waren, die ihr sonst immer Halt gegeben, die Gefühle, von denen sie
in allen Lagen, selbst in der Verzweiflung Trost empfangen hatte.
    »Wozu«, rief sie in nächtlicher Einsamkeit in ihrem starren Unmut auf, »habe
ich mich denn immer für besser als viele andre gehalten, wenn jetzt der Brunnen
des Lebens so völlig in mir versiegt? - Ich glaubte ja immer von den Musen
begünstigt zu sein, und mich in unmittelbarer Berührung mit göttlichen Kräften
zu befinden; warum gestatte ich denn nun der toten kalten Erde die Herrschaft
über meinen Geist, und rufe nicht jene Bundesgenossen zu Hilfe, die mir in
Stunden des Übermutes fröhlich und lächelnd beistanden?«
    Sie setzte sich nieder, tat einige Griffe auf ihrer Laute und schrieb dann
ein Gedicht in Terzinen, dessen Inhalt ungefähr folgender war:
    Ernst und Trauer des Lebens.
    Vielleicht sagt man mit Recht, wir seien alle verbannte Geister, die,
unwürdig ihres höheren Glückes, sich auflehnend gegen die Liebe, in den Zustand
versenkt wurden, der mit dem Tode verwandt ist und den wir Menschen unser Leben
nennen.
    So wachsen denn, gedeihen wir, und unsere Jugend ist ein Traum, der in uns
webt. Rosengewölk vor dem Aufgang der ersten heißen Sonne.
    Nun, da wir jagdfähig sind, treten die Dämonen mit Weidmannsgerät in das
Revier, die Hunde von der Leine los, jagen kläffend den armen Hirsch, bis er
zerfleischt, ermüdet, Blut schwitzend, unter ihren Bissen niedersinkt.
    So sitzt der Fischer lächelnd, schlautückisch am Fluss und senkt den
lockenden Köder hinein. Der arme, bunte Fisch, er spielt an der Angel, gereizt
verschlingt er den Hamen, und am Gaumen wird er aus seinem Element mit dem
grausamen Haken herauf gerissen.
    Das Kind spielt mit dem unschuldigen Lamm, beide hüpfen im Frühlingslicht.
Doch im Busche steht
