 Wort gegeben, als du mir als freie, edle Jungfrau
entgegentreten konntest, o warum lernt ich dich damals nicht kennen? - Und nun?
- So flicht sich unser Schicksal zusammen, um uns zu erdrosseln, und die
Leidenschaft wirft sich wütend und doch ohnmächtig in die Notwehr, und erliegt
endlich im Kampf, oder siegt scheinbar durch Verzweiflung. Und dann - o dann ist
das Leben nicht mehr jenes klare, reine Blatt, das der Jüngling in seinem
Lebensbuche aufschlägt, um eine jugendliche Hymne begeistert hineinzuschreiben.«
    Er versank in ein tiefsinniges Hinbrüten, stand lange, das Haupt
niedergesunken und blickte dann nach dem Garten und dem Abendhimmel: »Ha,
Isabella!« rief er plötzlich, »- du drohst, du mahnst - ja, du hast dich jetzt
an mir gerächt, und mich gedemütigt.«
    Vittoria schrak zusammen, weil sie ihn zu verstehen glaubte. Ihr war, als
wenn plötzlich eine tiefe schwarze Nacht in ihre Seele falle. Wo war in diesem
Augenblick die Gegenwart und das Gefühl der Liebe, von dem sie noch eben
begeistert war? So kann zuweilen in uns die letzte Spur des Lebens verschwinden,
und ein Grauen befällt uns, dass das, was uns als reiches mannigfaltiges Paradies
erschien, nun, da die süße Täuschung verschwunden ist, als unübersehbare dürre
Steppe vor uns liegt, ein Nichts dürrer Verzweiflung.
    Er stand jetzt vor ihr, und beide sahen sich mit einem Blicke an, der sich
nicht beschreiben lässt. Auch selbst nach diesem Blicke konnten sie die Rede noch
nicht wiederfinden. So fühlten ihre Seelen jenen sonderbaren Druck, der uns
beängstigt, auch wenn Lüge, Unwahrheit, Heuchelei uns fern stehen: der furchtbare
Tod schwingt dann seine Flügel durch unser ohnmächtiges Wesen und ermattetes
Dasein.
    »Ich kenne deine Gedanken«, sagte er endlich, nachdem er wieder durch den
Saal gegangen war, und sich dann niedergesetzt hatte, »aber sie war meiner ganz
unwürdig, und selbst ihre Brüder haben kein Wort der Klage ausgesprochen. Und du
standest hell und klar in jenem finsteren Momente vor mir; und auch ohne
Vorwurf.«
    »Auch jenen Abend«, sagte sie jetzt, »an welchem der Schwatzende hier war,
hat uns das Verhängnis gesendet. Das ist die große Frage des Lebens, wie sehr
man sich den Schickungen widersetzen darf, wie man sie bezwingen kann. Dass du
mir vorher Entsetzen erregtest, gehört auch als ein dunkles Bild in das Gedicht
meiner Liebe und meines Lebens.«
    »Ach! Vittoria«, klagte jetzt Bracciano, und Tränen stürzten aus seinen
Augen, »in manchen Momenten glaube ich, dass ich deiner nicht würdig bin, dann
fühle ich dich so viel größer und herrlicher. Ja,
